Barans Erwachen – aus der sehr persönlichen Sicht eines Scheibenkreuzritters:

Spielerbericht von KH K. aus der Sicht seines Spielercharakters:

 

Diese Reise war die 2. Mission, die ich im Dienste der Scheibenkreuzritter erledigen sollte. Mir wurde Lyra, eine junge Halbelfe, als Begleitung zur Seite gestellt. Auch sie ist, bzw. war ein Schützling unseres gemeinsamen Mentors, Sean Ballantine..

Es begann alles ganz normal, doch nein, es begann ungewohnt und verwirrend. Ich war es gewohnt Reisevorbereitungen und Reisen nach festen Regeln zu planen und durchzuführen. Doch Lyras quirlige Art und ihre Neugier brachten mich doch immer wieder aus dem Konzept. Auch die Art und Weise, wie sie die Welt entdeckte, hatte ich schon sehr lange nicht mehr erlebt. Sie erlebte alles mit den Augen eines Kindes.

Wir machten uns auf den Weg und nutzen die guten Karten des Ordens um möglichst schnell an unser Ziel zu gelangen. Wir kamen gut voran bis dann plötzlich das Chaos begann. Die Erde erbete, Blitze und Donner füllten den Himmel und wir stürzten aus großer Höhe zu Boden und verloren das Bewusstsein.

Als wir erwachten war es Nacht und kalt und wir waren viel weiter im  Norden, als wir sein hätten dürfen. Wir stellten fest, dass wir knapp unter der Baumgrenze angekommen waren. Auf der Suche nach einem Unterschlupf näherten wir uns einer Klamm, aus deren Grund ein Feuerschein zu sehen war. Doch als wir uns näherten erkannten wir große pelzige Gestalten, hörten wolfsähnliches Heulen und entschlossen uns, nicht näher zu gehen und suchten Schutz in eine kleine Höhle. Mein Schild diente uns als Tor auf einer Seite, Lyra verbarg sich darunter und mein Körper bildet einen Schild zur anderen Seite.

Die Gegend gab sich mir als Tundara zu erkennen.

Am nächsten Morgen machten wir uns weiter auf den Weg, doch obwohl es kalt, windig und unwegsam war, gewann die Umwelt, durch Lyras frohes Wesen, an Farbe. Es war schon dunkel, als wir die erleuchteten Fenster vor der schwarzen Shilouette einer Burg sahen. Wir bewunderten noch einmal – das letzte Mal, wie ich jetzt weiß – gemeinsam den beeindruckenden Sternenhimmel und näherten uns dann der Burg.

Vor der Burg trafen wir bekannte Gesichter, darunter Lani, Aristachos und Akascha mit ihrem Begleiter und wir wurden freundlich in die Burg gebeten. Im Burghof wurden wir von einem Elfen mit den Namen Baran empfangen, der uns mitteilte, dass 11 Frauen (Baran las die Namen vor) darunter auch Lani, erwählt wurden. Jede wurde mit einem Artefakt verbunden und jedes Artefakt stand für einen Aspekt oder eine Queste.

Die 1. Queste ließ nicht lange auf sich warten, denn die Burg wurde angegriffen. Nach erfolgreicher Verteidigung gegen Untote und Trolle leuchtete das 1. Artefakt erst grün und dann rot. Wir erfuhren, dass es rot leuchtet wenn es aufgeladen und einsatzbereit war. Wir fanden auch heraus, dass hier das Ritual der „schwarzen Frauen“ wiederholt werden sollte um den, der schläft, weiter schlafen zu lassen.

Am nächsten Tag klärten sich die Aspekte der anderen Artefakte, es waren: Ehre, Wissen, Magie, Geheimnis, Diplomatie, Heilung,… . Jedes dieser Artefakte war durch eine Queste zu aktivieren und zu befüllen. Es traf auch noch die 10 Frau ein, doch die 11 hatte es nicht geschafft und es verbreitete sich das Gerücht – welches dann zur Gewissheit wurde – es musste sich eine 11. Frau freiwillig melden.

Lyra versuchte den ganzen Tag Questen zu lösen, doch es fehlten ihr immer einzelne Teile und sie war traurig und enttäuscht, doch ihr Aufgabe war es nicht, Questen zu lösen. Ich habe mit ihr schon recht bald über die 11. Frau gesprochen und die Neugier in ihr hatte ihr bereits frühzeitig ihren Weg aufgezeigt, doch ich denke, ich wollte ihn nicht sehen. Sie war noch viel zu jung für diesen Weg und sie war auch keine Kriegerin und ich könnte sie auf diesem Weg nicht beschützen.

Es wurden auch immer mehr Details über das Ritual bekannt und so auch, dass es wahrscheinlich keinen Weg zurück geben würde.

Und in der Stunde der Entscheidung nahm Lyra den Platz ein, den die Geschichte für sie bereit gestellt hat, sie meldete sich freiwillig.

Währenddessen wurde Queste um Queste gelöst, die Artefakte wurden gefüllt und jede Frau, deren Artefakt fertig gefüllt war, verwandelt sich in eine schwarze Frau.

Wir sahen es an Lani. Sie veränderte sich nicht nur äußerlich, sondern auch ihr Wesen veränderte sich. Das, was sie ausgemacht hatte, erlebte sie nur mehr als Erinnerung und sie verlor die Gefühle und Nähe zu ihren Mitmenschen. Dieses war besonders für all jene die ihr sehr nahestanden, sehr schmerzlich und sie litten darunter.

Doch nachdem auch Lyra das Artefakt bekommen hatte und dieses gefüllt wurde, verwandelte auch sie sich. All ihre Quirligkeit und ihr fröhliches und kindliches Wesen waren verschwunden und dieses machte mich sehr traurig. Ich habe mein Leben dem Schutz der Hilf- und Wehrlosen gewidmet, doch hier konnte ich nichts tun, um den Menschen, der mir in den letzten Tagen sehr ans Herz gewachsen war, vor dem Unvermeidlichen zu schützen.

Nach einem langen Tag, voller Questen und Rituale, waren nun alle Artefakte gefüllt und die Zeit des Rituals war gekommen. Ich verbrachte die letzten Minuten mit Lyra und gab ihr als Zeichen meiner Hochachtung ihres Mutes und als Zeichen meiner tiefen Freundschaft mein Scheibenkreuz mit auf den Weg. Sie in die Dunkelheit gehen zu lassen ohne ihr das hellste Licht als Begleiter zu geben, welches ich bei mir hatte, konnte ich nicht zulassen.

Bevor sich Baran und die 11 Frauen ins Portal begaben, übergab er noch die Burg an einen Vertreter Sturmlands, an Berthold Steinmar von Klingenau, der dafür einstand, dass alle hier freies Geleit erhielten.

Die wenigen Augenblicke in denen die Frauen durch das Portal gingen, erscheinen uns wie Stunden, doch dann verschwand die letzte Frau im Portal und es war vollbracht, doch es brach kein Jubel aus, ich glaube, wir verstanden erst jetzt welches Opfer sie für uns, die wir weiterleben durften, gebracht hatten.

Als wir alle noch zwischen Freunde, Hoffnung und Trauer hin und hergerissen waren, erschienen Nachtalben. Sie wollten die Burg übernehmen, doch der Sturmländer kämpft mit dem Anführer und vertrieb sie. Es war eine ganz seltsame Stimmung und Situation, denn es kämpfte nur der neue Burgherr, alle anderen waren noch in der Stimmung gefangen und kämpfen mit sich.

Dann passierte allerdings etwas, was wir kaum zu hoffen wagten, denn es kamen zwei der schwarzen Frauen wieder aus dem Portal. Es war Lani und Kerran Williams. Aristachos war überglücklich und obwohl ich mich für ihn aus tiefstem Herzen freute, schaffe es die Freude nicht, meine Trauer zu überwinden.

Von Lani habe ich dann erfahren, dass sich alle Menschen bis auf sie und Kerran auflösten, doch Lyra verschwand und mit ihr eine zweite Elfe. Ich habe dann von Akascha erfahren, dass Elfen nicht sterben, sondern in eine andere Welt aufsteigen und dort weiterleben. So glaube ich nun, dass Lyra in dieser Welt weiterlebt und jetzt auch von den „echten“ Elfen, da sie ein Halbelfe war, ob ihres Mutes und ihre Tat respektiert und anerkannt wird und ich habe den Traum, dass sie diese neue Ebene, wie es die Elfen nennen, vielleicht sogar als eine von ihnen erleben darf, als echte Elfe.

Es war auch noch ein 2. Ritter unsere Ordens, Reagar MacLonnert, vor Ort und gemeinsam brachten wir die, die in diesem Teil Ariochias nicht sicher oder willkommen waren, zu sicheren Orten.

 

Aus Achtung vor Lyra, ihrem Mut und als Sinnbild für Selbstlosigkeit, wird mich ihr Name fortan begleiten, als Inschrift meines Schwertes. Ihre Frohnatur und ihr Wesen werden aber für immer einen Teil meines Herzens ausfüllen.

   

Ansgar von Wiesenbrück

Scheibenkreuzritter

Spiel-Bericht: Baran – das Erwachen

Zum dreißigjährigen Bestehen unseres Vereins wird ein Live auf die Beine gestellt, das unserer Welt Ariochia gerecht werden soll. Einem großen Meta-Plot folgend, der seit Jahren Ariochia im Hintergrund prägt, ist der Zeitpunkt gekommen, an dem entschieden wird, ob uns die Welt, wie wir sie kennen, erhalten bleibt.

Der Charakter, mit dem ich dieses Livre erlebe, ist die blinde Laani.

Laani und ihre Reisegefährten sind auf dem Weg zur Feste Nordmarkstern. Je näher sie der Feste kommt, desto klarer weiß sie, dass sie dort hinmuss. Dort wird etwas Wichtiges geschehen. Sie verspürt Eile und Dringlichkeit bis zu dem Punkt, an dem sie sich kaum mehr vorstellen kann, etwas anderes zu tun, als zur Feste zu gehen.

Viele Leute sind zur Feste Nordmarkstern gekommen, denn manches deutete darauf hin, dass der Ort im Schicksal Ariochias eine Rolle spielen wird. Alle werden von Baran begrüßt, dem Herrn der Burg.

Er nennt die Namen von elf Frauen, die er in den letzten Wochen gerufen hat. Solange sie noch überrascht sind, erhalten sie ein Artefakt um den Hals gehängt, das mit ihren Körpern verschmilzt.

Es ist mehr als fraglich, ob alle sich ihrer Aufgabe gestellt hätten, hätten sie eine Wahl gehabt.

Es stellt sich nämlich heraus, dass diese Frauen dazu bestimmt sind, Ariochia zu retten. Schon zuvor wurde die Legende bekannt, dass der Schöpfer Ariochias, Wynan, sich in tiefem Schlaf befindet und weiterschlafen muss, soll die Welt so fortbestehen, wie er sie erträumt hat. Nur wenn alle 166 Jahre von elf Frauen ein Ritual durchgeführt wird, kann sein Schlaf andauern. Der Tanz der Schwarzen Frauen lässt diese aber transzendieren.

Man könnte auch sagen, sie sterben.

Obwohl – man hat schon Geschichten gehört, dass Schwarze Frauen auch zurückgekehrt seien.

Da vor zwanzig Jahren nicht genug Frauen dem Ruf gefolgt sind, und der Tanz daher nicht den notwendigen Effekt hatte, hat Ariochia bereits begonnen sich zu verändern. Und so sandte Baran nun diesen Ruf aus, um Wynans Schlaf doch noch andauern zu lassen und dadurch Schlimmeres zu verhindern.

Langsam wird allen Anwesenden bewusst, was das bedeutet. Die elf Frauen würden sich opfern müssen, um Ariochia zu retten. Bestürzung macht sich breit, aber auch Tatendrang. Die Frauen schwanken zwischen Entschlossenheit, Fatalismus, Opferbereitschaft und Widerstand. Ihre Freunde empfinden Hilflosigkeit, Verzweiflung und Wut. Doch letztendlich gibt es keinen anderen Weg.

Baran hat in und um die Feste Gelegenheiten geschaffen, die es möglich machen, die Artefakte zu aktivieren und die Frauen dadurch zu wandeln, mit magischer Kraft aufzuladen, und sie so für den Tanz bereit zu machen. Verschiedene Aspekte, die die Welt Ariochia ausmachen, werden erweckt: Kampf, Heilung, Magie, Ehre, Geschick, Wissen, Diplomatie, Geheimnisse, Natur – es gibt viele Aufgaben, die zu erledigen sind, und alle helfen mit.

Doch manche helfen zögernder als andere – es sind jene, die spüren, dass sie eine Freundin, eine Reisegefährtin, eine Geliebte verlieren würden. Als die ersten Artefakte beginnen zu leuchten, als die ersten Frauen beginnen sich zu wandeln, ist zu spüren, dass viele tief betroffen sind von dem, was geschieht.

Als Laanis Artefakt aktiviert, wird ihr Sein auf das Ritual ausgerichtet. Diese Zielgerichtetheit vermischt sich allerdings mit Angst und Verzweiflung. Denn Baran hat den Frauen erklärt, dass sie nach der Wandlung ihr altes Leben nur noch als Erinnerung in sich tragen werden. Im Moment der Aktivierung wird Laani klar, dass sie sich von Aristachos verabschieden muss, solange sie noch für ihn empfindet. Denn noch bevor sie sterben wird, wird sie ihre Gefühle für ihn vergessen. Noch nie in ihrem Leben war sie so verzweifelt. Dass Aristachos leidet wie sie, zerreißt sie fast. Der Augenblick des Abschieds ist grauenvoll.

Danach ändert sich alles.

Laanis Gesicht und ihre Hände werden schwarz. Ihr Leben verblasst. Sie erinnert sich nur noch daran, ohne Gefühl. Nur noch das Ritual ist wichtig. Aristachos kann sie nur noch sagen, dass er ihr früher sehr wichtig war.

Aber sie fühlt sich stark, kampfbereit, mächtig, bis zum Rand mit magischer Macht gefüllt.

Da eine der gerufenen Frauen nicht auftaucht, ist es notwendig, dass eine Anwesende sich freiwillig bereiterklärt, eine Schwarze Frau zu werden. Mit bewundernswertem Mut meldet sich Lyra Venjar, eine Halbelfe, die von den schon gewandelten Schwarzen Frauen in ihren Kreis aufgenommen wird.

Nach und nach werden alle Aufgaben erfüllt und alle Frauen gewandelt. Als das Portal sich öffnet, durch das die Schwarzen Frauen treten müssen, sind viele der Anwesenden froh, erfolgreich gewesen zu sein. Neben der Trauer jener, die jemanden verlieren, scheint Hoffnung viele Gespräche zu durchdringen.

Laani wird magisch an das Portal gebunden, um es offen zu halten und die Frauen treten hindurch.

Was bleibt zu sagen? Der Tanz war diesmal erfolgreich.

Und die Geschichten von Schwarzen Frauen, die zurückgekehrt sind, scheinen wahr zu sein. Denn zwei Frauen stürzen nach einer gefühlten Ewigkeit wieder aus dem Portal heraus: Laani und Karen Williams. Die eine fand ihren Halt in der Verbindung mit dem Portal, die andere mit unbändiger Lebenskraft in sich selbst.

Beide sind tief erschüttert.

Beide sind gezeichnet von dem, was sie erlebt haben.

Beide sind erfüllt von Erfahrungen, die sie ihr ihr ganzes Leben nicht mehr loslassen werden.

Doch Ariochia wird weitergeträumt.

(Ein Bericht von Martina K.)