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Halblandspiel – Spielerbericht von Laani

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Bei der Anreise spürt Laani den einen Schritt in das verfluchte Land. Es war das krasse Gegenteil von Ardag – Laani fühlte sich bedrückt und ängstlich solange sie durch das Land unterwegs war. Alles fühlte sich falsch an und das Falsche schien von oben zu kommen. Hoch oben tobte laut ein Sturm, begleitet von Gebrüll und Schreien, wogegen es um uns zunächst windstill war.

 

Zwei Tage führte uns unsere Reise dann durch die verwüsteten Lande. Mancherorts lagen Ruinen wie Knochen riesiger verendeter Tiere auf Hügeln und in Gräben, teilweise wirkte das Land, als hätten es mächtige Klauen aufgerissen und es wäre zum Ausbluten und Verwesen liegengelassen worden. Ständig heulten trockene Winde, die die Augen und die Lungen reizten. Manchen schien es, als würde das Heulen und Wispern sich zu Worten – unverständlich und drohend – formen. Immer wieder verfolgte uns das Heulen von Wolfsrudeln, die sich zwar außer Sicht halten, aber immer wieder klar erkennen ließen, dass sie sich unserer Anwesenheit bewusst waren, und diese Informationen mit anderen teilten.

 

Gelegentlich kamen wir auch an halb skelettierten Kadavern vorbei, an denen noch die Spuren scharfer Waffen und scharfer Zähne zu erkennen waren. An bestimmten Punkten fanden wir Wegmarkierungen – teils magischer Natur, teils natürlicher Herkunft, die uns klar den Weg zeigten.

 

Am zweiten Tag fegte der Sturm aus unheimlichen, düsteren Wesen plötzlich zu Boden und mitten durch die unsere Gruppe hindurch. Drei von uns wurden von starken Windböen weggerissen, wie Laani später erzählt wurde. Der Sturm raubte allen jegliche Orientierung, Staub, Dreck und Dämonisches fegte um jeden einzelnen herum und schnitt ihn von allen anderen ab. So schnell wie der Sturm gekommen war, so schnell verschwand er auch wieder. Die drei hatte er mit sich gerissen, ohne eine Chance sie wieder zu finden. Nach erfolgloser Suche nahm man die Reise zum Stützpunkt wieder auf. Das Schicksal von Emeron, Claudio und einem aus der Hexergruppe ist ungewiss.

Ein weiterer Reisender, einer der Satyre, wird später, fast am Ziel angekommen, von der Gruppe weggerissen. Später fanden ihn seine Gefährten bewusstlos in einer Ecke liegend.

 

So erreichten wir endlich gegen Abend des zweiten Reisetages das Basislager – eine Mischung aus Camp und Festung in den Ruinen eines alten Gemäuers, welches sich gut geschützt in einen Berghang schmiegte. Ein paar imperiale Soldaten zeigten uns unsere Quartiere, wir erholten uns von den Anstrengungen und warteten auf diejenigen, die noch fehlen, aber sie kamen nicht an.

 

Die anwesenden Mitglieder des Ordens, vor allem Magier, schienen von unserer Gruppe nicht viel zu halten – kein Wunder, da wir durch den plötzlichen Verlust unseres Anführers noch unorganisiert waren. Doch man half uns und erklärte, dass man ein Ablenkungsmanöver starten würde, damit wir weiterziehen könnten. Die Dämonen des Landes würden sich auf die Magier und ihre Ablenkung stürzen, um uns eine halbwegs sichere Passage zu jenem Magierturm zu sichern, dessen Schriften wir sicherstellen wollten.

 

Man gab uns auch Artefakte, die unsere Gruppe vor dem Blick der Dämonen zumindest für einige Zeit schützen würden. Am nächsten Morgen brachen wir auf. Der Weg war schrecklich, wieder fühlten wir Einflüsterungen, doch die Artefakte taten ihre Wirkung. Wir brauchten allerdings länger als gedacht, und als wir endlich bei dem Turm ankamen, wurden wir schon von den Dämonen wahrgenommen und waren heftigen Angriffen ausgesetzt. Ansgar erinnerte sich an einen Raum im zweiten Stock des Turms, in dem auch seine Gruppe damals übernachtet hatte. Dort konnten wir uns sicher verschanzen, und wider Erwarten schliefen alle ziemlich gut in dieser Nacht.

 

Am nächsten Morgen war alles anders. Der Ort fühlte sich für Laani normal an und plötzlich waren halbländische Magier da, die von uns allen forderten, dass wir unser Gesicht verhüllten sollten wie zivilisierte Menschen das zu tun pflegten.

In die Verwirrung hinein erinnerten wir uns fast alle an den gleichen Traum: Ein kristallener Schwan flog von der eigenen Hand auf und zu einem Mann in halbländischer Tracht hin. Hinter ihm stand eine Frau, die mit einer Feder etwas schrieb, unter der sich das Papier von selbst für die Schrift bewegte. Der Schwan landete bei dem Mann und er sagte: „Ihr habt den Schlüssel, ihr seid willkommen!“

Nun erst erfuhr Laani, dass der Sucher des Pharaos als Geschenk für das Turnier einen Kristallschwan erhalten hatte. Baran schien das also auch gewusst und geplant zu haben, denn der Schwan war nun verschwunden.

 

Alles, was man zum Leben brauchte, wurde magisch erschaffen. Da die Magie nun für uns alle auch Nahrung schuf und sich damit verbrauchte, waren die Magier nicht begeistert von unserer Anwesenheit. In ersten Gesprächen wurde uns erzählt, dass bald der nächste große Turm eröffnet werden sollte, jener, der nach unseren Informationen schließlich alles zu Fall brachte. Aber das war doch 25 Jahre her! Für sie waren seit der Hochzeit damals jedoch erst neun Monate vergangen. Zunächst glaubte man uns nicht, doch langsam schienen einige zu erkennen, dass sie von einer der Magierfamilien mit einer falschen Prophezeiung hintergangen worden waren.

 

In Gesprächen mit den Magiern stellten wir fest, dass innerhalb des Turms während der Hochzeit zweier Familien aufgrund einer Prophezeiung eine Schutzzone errichte worden war – oder ein Gefängnis. Die Braut sollte einen Faden spinnen, doch dabei wurde sie gestochen und die Spindel stach auch alle anderen Anwesenden. Der blutgetränkte Faden wurde mit der Zeit kürzer und schien diese Blase aufrecht zu erhalten.

 

Die Magier hatten ein Wesen bei sich, das sie Palim nannten. Aristachos beschrieb ganz erfreut und aufgeregt eine menschengroße, blaue Katze. Der Palim hatte auf alle, die sich mit ihm beschäftigten, in seiner Nähe waren, ihn berührten oder fütterten eine eigenartige Wirkung: das Problem, über das man gerade nachgedacht hatte, war plötzlich nicht mehr wichtig, denn man war überzeugt, dass es gerade von jemanden anderen gelöst würde. Man konnte also ganz beruhigt sein. Die Magier hier sollten wohl nicht zu viel über ihre Situation nachdenken.

 

Natürlich wollten wir diese Sphäre verlassen und suchten einen Ausgang. Die zwei „frisch“ Vermählten machten schließlich ein Ritual, das viel Magie verbrauchte, um ihr Leben zu beenden und ihre Seelen zu verbinden. Später fuhren sie wie Geister in Drak’Saro und eine der Satyre ein, um mit uns den Turm verlassen zu können, da die Theorie stark vertreten wurde, dass alle Magier der Sphäre durch ihr Alter eingeholt werden würden, sobald die Blase fiel.

 

Die Bibliothek war leider außerhalb der Blase, so konnte niemand die Texte sicherstellen oder lesen, die wir suchten. Doch wir erkannten einige Unterschiede zur Burg, wie sie in unserer Zeit war, und fanden auch einen winzigen Spalt. Als man ihn vorsichtig erweitern wollte, brach die Blase auf und alle stürzten in die Realität. In der Tat alterten alle seit damals eingesperrten Magier rasch und starben oder wüteten als Rache für den Tod der anderen.

 

Zusätzlich tauchten nun Schatten und dämonische Wesen auf, die uns angriffen oder mit Schmerzen quälten. Doch es kamen auch die Magier des Ordens, die uns gesucht hatten – die Zeit in der Sphäre war ja anders vergangen, und der eine Tag im Inneren dauerte in der Realität mehrere Tage. 

 

Ein magisches Gerät wurde gefunden, in das eine Magierin des Turms einen Bericht gebannt hatte. Ein Lord Gangan hatte scheinbar ein Tor erschaffen, hinter dem ein magischer Tunnel nach Torgat Suul ist. Das erklärt wahrscheinlich, wie so viele Dämonen ins Halbland gelangen konnten.

 

Auch konnten die Schriften des Turmes nun sichergestellt werden, aber sie waren mit einer giftigen Substanz verunreinigt und schon sehr in Mitleidenschaft gezogen. Damit würde man sich wohl auseinandersetzen müssen, wenn wir wieder in Sicherheit wären.

 

Im Keller des Turms fand man einen magischen Knoten des Landes, der von den Dämonen korrumpiert war. Mit gemeinsamer Anstrengung (wenn auch mit unterschiedlicher Auffassung der Notwendigkeit oder Dringlichkeit) konnte er gereinigt werden. Danach brachen wir fluchtartig auf, denn die Reinigung des Knotens würde Dämonen anlocken.

 

Während der Bemühungen kamen Leute, eine kleine Gruppe, die behauptete hier zu leben. Diese Einheimischen waren gekommen, um nachzusehen, was die Dämonen des Landes so in Aufruhr brachte. Offensichtlich zog die Ablenkung der goldländischen Magier die Aufmerksamkeit der Dämonen wie geplant auf sich und sie blieben dem Turm hier fern. Man beschrieb Laani, dass die Einheimischen eine Art Runenmagie nutzten. Diese Runenkraft scheint sie in diesem verfluchten Land zu schützen.

 

Kurz nach dem Aufbruch tauchten plötzlich Scharoks auf. Der Krieger, dem Laani folgte, trat zur Seite und Laani merkte überrascht, dass sie jemandem gegenüberstand. Bevor sie etwas tun konnte, umarmte der Scharok sie. Ihr geschah nichts, aber Laani spürte, dass der Scharok das Leben suchte, einen lebendigen Körper haben wollte. Er war sich also seiner nicht körperlichen Natur bewusst.

 

Als wir das Basislager wieder erreichten, waren wir unglaublich erschöpft und dankbar.

Wir berichteten von unseren Erlebnissen und Erfolgen. Im Laufe des Abends kamen zwei Frauen, die einen Schild mit solchen Runen bei sich hatten, wie die Einheimischen sie verwenden. Es waren Forscherinnen aus Goldland, die nun seit etwa zehn Jahren hier in Sceptra Perdita verschollen waren. Sie hatten wahrscheinlich bei den Einheimischen gelebt. Von diesen hatten sie auch den Schild.

 

Die Kapitänin hatte eine Schatzkiste sichergestellt, in der eine Unmenge an Silbermünzen war. Sie wurden gerecht an alle verteilt.

 

Was aus den beiden Magierseelen geschehen sollte, die zwei unserer Reisegefährten übernommen hatten, musste noch entschieden werden.  

 

Ariochs Erben

Comragh – Die andere Seite des Apfelbaums

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„Die andere Seite des Apfelbaums“ (aus der Sicht des Gastgebers)

Dies ist eine andere Geschichte, wie aus zwei sturen & zerstrittenen Bauern Apfel-Cider- & Apfel-Whisk(e)y-Lieferanten für die Hohen wurden.

Mein Name ist Rylan mab Seb McCarthy McGryffud McDubh – meine geliebte Frau Cathleen & ich sind vor ca. 2 Jahren wegen diverser beunruhigender Gerüchte von zuhause fortgegangen, um weiter südöstlich in den Kronlanden unserer wunderschönen dalriadischen Insel Creag Eilean einen Neubeginn zu wagen. Es war wohl kurz nach Kriegsbeginn (und nach der Apfelernte), dass uns die Möglichkeit geboten wurde, ganz in der Nähe der Königsburg Cair Draig den Gutshof bei Fochloch Druid Cameron an Beo & Ain McNeill McDonalds Handelskontor zu pachten.

Der reiche Bestand an gesunden Apfelbäumen & die wirtschaftlichen Chancen, die sich aufgrund der hervorragenden Lage boten, rechtfertigten die relativ hohe, aber letztlich – wie sich herausstellte – doch mehr als faire Pacht. Meiner Frau gelang es mit ihrer besonderen Gabe, alle Pflanzen in ihrer Nähe prächtig gedeihen zu lassen, unser Grundstück & v.a. den Obstgarten bereits im ersten Frühsommer voll erblühen zu lassen. Die Nachbarn nahmen uns auch recht rasch freundlich auf – spätestens als ich ihnen als Einstand eine Flasche meines Ciders überreichte …

Alle Nachbarn? Na ja, fast alle: Im Norden grenzt unser Pachtgrund – getrennt durch einen Bach, der im Frühling reichlich Wasser führt, im Spätsommer aber nicht mehr als ein dünnes Rinnsal ist – an den verwahrlosten Besitz von diesem neidigen & mieselsüchtigen Geizhals Gealai McKennit McDubh. Seit wir hier ankamen, machte uns dieser Misanthrop den besten & schönsten Apfelbaum der gesamten Gegend streitig, nur weil dieser auf einer kleinen Insel inmitten des Grenzbaches steht, der allerdings ohne jeglichen Zweifel zu unserem Grundstück gehört! Das erkennt man – ohne wie ich(!) Experte für Apfelbäume sein zu müssen – schon alleine daran, dass dort, wo der Grenzbach ursprünglich geflossen ist (also auf „seiner“ Sonnenseite), die stärkeren Wurzeln & mehr der saftigen Äpfel wachsen. Würde mich ja nicht wundern, wenn der hinterhältige Schuft vor unserer Ankunft versucht hätte, den Bach umzuleiten, nur um uns um diesen Baum zu bringen – ist ihm aber offenbar nicht ganz gelungen … Dabei kann der fiese Kerl ja ohnehin nichts mit dessen großartigen Äpfeln anfangen – er weiß ja nicht einmal, wie man Cider herstellt!

Aber da hat er sich mit dem Falschen angelegt! Mir war von Anfang an klar, dass dieser Baum der wertvollste des gesamten Gartens ist & ich wollte diesen nicht kampflos aufgeben. Bald fand ich ein paar Steine, die vorher wohl noch auf der anderen Seite im Bach lagen, auf seiner Seite, damit hier der Bachlauf versiegen sollte. In der Nacht habe ich dann diese Steine (+ ein paar weitere) wieder in unser Bachbett gelegt – was der kann, kann ich auch, aber noch viel besser! Das ging mehrmals so hin & her – ich musste nur trachten, dass meine Frau Cathleen nichts davon mitbekommt, weil sie ständig auf Versöhnung mit diesem vermaledeiten Tunichtgut war; doch wenn man dem den kleinen Finger reicht, will er sicher gleich die ganze Hand. Mit mir nicht! Das Leben eines Apfelbauern & Cider-Herstellers ist schon schwer genug, da brauchen wir keinen, der unsere besten Äpfel klaut.

Und dann luden Fochloch Druid Cameron an Beo McNeill McDonald & Aire Desso Captain Alastair McLeod zum Comragh ein – einem Turnier, das traditionell alle 2 Jahre zu Ehren der Hohen beim Handelskontor ausgetragen wird. Da es in unserem Gutshof ausreichend Platz für die vielen hohen Gäste, die sich angekündigt hatten, gibt, sollten wir nun also die Gastgeber für all die Adeligen, Druiden & Helden aus der Drachenburg sein. Welch eine Ehre! Und welch ein Stress, alles vorzubereiten, um sich dieser großen Verantwortung würdig zu erweisen! Den Göttern sei Dank, dass wir viel Unterstützung erhielten: Cameron & Ain halfen bei der Turniervorbereitung, Alastair brachte seinen Smutje (= Schiffskoch) Duncan mit, der gar köstliche Gerichte auf die Tische zauberte & unsere Magd Kira packte wie üblich überall dort an, wo gerade Not an der Frau war.

Am Vorabend zum Hauptturnier trafen dann all die hohen Herrschaften des Königshofs ein. Ain, Kira, Cathleen & ich durften sie alle herzlichst willkommen heißen & traditionell Brot & Salz sowie (als eine alte Tradition unserer Familie) Apfelspalten & Apfelsaft aus unserem eigenen Garten reichen. Wir waren beinahe erschlagen von all dem Enech (Ehre), das hier plötzlich unter uns weilte. Die Helden aus der königlichen Drachenburg stellten sich als äußerst umgänglich & leger heraus, zu manchen durften wir sogar „Du“ sagen! (Ist mir anfangs nicht wirklich leicht gefallen …)

Leider mischte sich auch unser „lieber“ Nachbar Gealai unter die ankommenden Gäste & es gelang mir nicht, ihn noch rechtzeitig von unserem Grund & Boden zu vertreiben. Ich hatte ja schon so etwas befürchtet – klar, dass er sich nur einschlich, um Stunk zu machen! Aber all meine Bedenken nutzten nicht. Ich wurde belehrt, dass die Einladung an alle ergangen war, die an den Turnieren teilnehmen wollten & so musste ich (auf Drängen meiner Frau, Alastair, Cameron & Ain) gute Miene zum bösen Spiel machen, also auch den impertinenten Störenfried als Gast akzeptieren. Zu allem Überfluss erdreistete sich dieser ruchlose Opportunist sogar, uns ein „Gastgeschenk“ mitzubringen – seinen gepanschten, sogenannten Apfel-Whisk(e)y. Nein, ich hatte weder vor, dieses Danaer-Geschenk anzunehmen, noch diese Brühe auszuschenken – wer weiß, was er da alles hineingetan hat?!? Meine Fantasie darob schlug wahre Purzelbäume …

Es war kaum Zeit vergangen, musste ich schon bemerken, dass er sich an die hohen Herrschaften heranmachte, um mich aufs Infamste zu diskreditieren & sie so subtil(?) auf seine Seite zu ziehen. Wahrscheinlich wollte der Taugenichts auch einen Richtspruch der Ollam Druid Sinead an Direach aus seiner Familie erwirken, um uns unseren Apfelbaum auf der Insel abspenstig zu machen. Seine gespielte Freundlichkeit würde ihn aber rasch als den falschen Hund, der er nun einmal ist, entlarven. Zähneknirschend erwiderte ich seine picksüßen Gesten, um mir nicht vorwerfen zu lassen, ein schlechter Gastgeber zu sein – die gemurmelten Flüche dabei wurden gottlob meist nicht gehört. Mein Geduldsfaden war zum Zerreißen gespannt, aber das hatte dieser berechnende Provokateur ja wohl auch so beabsichtigt. Wäre meine Frau nicht gewesen, die mich mehr als nur einmal zurechtwies & zur Räson brachte, wäre ich ihm wohl an die Gurgel gegangen. Mit all meiner Selbstbeherrschung ließ ich mich aber zu nichts Unüberlegtem hinreißen – schon alleine, um die ehrwürdigen(!) Gäste nicht mit unserem Zwist zu belasten.

Die Auslosung zu den Waffenturnieren am Folgetag, unsere Cider-Blindverkostung (3 mal 3 verschiedene köstliche Sorten) & die erste Runde des Denker-Wettbewerbs („Sortiere Kuh-Dung“, kurz SoKuDu – meine Idee!) fanden ohne größere Zwischenfälle & unter Beteiligung aller Anwesenden statt. Es war aber mir eine innere Genugtuung zu sehen, dass dieser Gealai mit meiner Rätsel-Aufgabe hoffnungslos überfordert war. Wieder etwas, das sein allgemeines Unvermögen offen zur Schau stellte.

Die Bewertungen meiner 9 Cider durch die ehrenvollen Gäste wird mir helfen, in den kommenden Jahren den erlesenen Gaumen mit den richtigen Geschmacksrichtungen zu begegnen. Jedenfalls wurden sämtliche Sorten, die ich verkosten ließ, in den höchsten Tönen gelobt – kein Cider fiel in der Gunst der Herrschaften völlig durch & das höchste Abstimmungsergebnis erzielte (wie ich erwartet hatte) jener, den ich aus den besten Äpfeln unseres(!) „Inselbaumes“ gekeltert hatte. Die Chance, den Gästen meine Kunstfertigkeit mit Äpfeln zu beweisen, habe ich gut genutzt. Auch Cathleen war stolz, was wir in so kurzer Zeit & mit begrenzten Mitteln auf die Beine gestellt hatten.

Nachdem alle Gäste zu Bett gegangen waren (es war schon weit über die halbe Nacht hinaus!), versuchte ich noch, das zurückgelassene Chaos zu beseitigen, damit es am Morgen (= in wenigen Stunden) wieder adrett aussieht. Offenbar sind es die hohen Herrschaften gewohnt, dass Sklaven, Lakaien od. andere Bedienstete hinter ihnen herräumen, denn so ein Saustall herrscht in der königlichen Burg ganz sicher nicht! Leider war unser Shamus auch gerade fort, um ein paar wichtige Besorgungen zu machen, & so blieb die ganze Arbeit an mir allein hängen. Kein Wunder, dass ich den Hahnenschrei 2 Stunden nachdem ich zu Bett gegangen war diesmal völlig überhört habe. Es war mir sehr peinlich, dass schon viele der Gäste (wie auch Gealai) bereits wach waren, als ich aufstand … Gottlob hatten Cathleen, Kira & Duncan die Bewirtung übernommen, sodass mein Fehlen weniger auffiel.

Die Vorrunden der Waffenturniere dauerten länger als erwartet, teils aus Koordinationsgründen, teils, weil bis zur Mittagsstunde noch 3 weitere hohe Gäste eintrafen. So mussten Cathleen & ich auch in die Turniere einsteigen, um den Neuankömmlingen die Möglichkeit zur Qualifikation zu geben. Während sich meine Frau im Bogenwettbewerb äußerst beachtlich schlug & in die Hauptrunde weiterkam, fand ich sowohl mit den Nahkampfwaffen als auch mit Pfeil & Bogen meinen Meister in einem Aire Desso aus dem Hause McYorrik. Leider qualifizierte sich auch unser Nachbar, der die Unverfrorenheit hatte, sogar unter unserem Dach zu nächtigen, anstatt in seine Hütte zurückzukehren, im Waffengang. Seine 2 Äxte offenbarten allerdings, wie er gewöhnlich brutal nicht nur mit Bäumen umzugehen versteht … In der Hauptrunde schied er dann allerdings aus, während sich meine Frau für die Endrunde der besten 3 Bogenschützen qualifizierte. Ein weiterer Sieg gegen den Eindringling!

Zu den Finali traf dann sogar noch Righana Tuaithe Caytlin an Scathach McMoirin McKennit McDubh höchstpersönlich ein! Was für eine Frau, welch Grazie, welch Würde, welch Anmut, welch Glanz in unserem einfachen Heim! Ich wagte kaum, sie anzusprechen, aber auch sie erwies sich als unglaublich umgänglich & betont volksnah. Noch heute beginnt mein Herz höher zu schlagen, wenn ich an diese Begegnung zurückdenke. Hätten wir Kinder, hätten wir ihnen etwas zu erzählen!

Doch nicht genug der eintreffenden Gäste: Unangekündigt, doch nicht unwillkommen, kam ein Abgesandter des Druidenrates, um einen (sehr wohl unwillkommenen) Gefangenen dem Gefolge der Königin zu überstellen. Es handelte sich dabei – wie uns später bewusstwurde – um jenen Druiden, genannt Brian, der Vielgesichtige, um den sich bei uns zuhause viele Gerüchte rankten, wegen derer wir schließlich die Heimat verlassen hatten. Er war Berater des Königs aus dem Nachbargebiet der McYallachs & es wurde ihm vorgeworfen, am Tod des Fennids der Königin schuld zu sein & damit letztlich ganz bewusst den Krieg angezettelt zu haben. Er war nun seines Druidenrangs enthoben worden & sollte als Kriegsgefangener ins Verlies der Drachenburg gebracht werden. Zwischenzeitlich wurde er in unserem Weinkeller verwahrt & verhört. Ich habe nicht alles verstanden, was vorgefallen war, aber hinter dem arglosen Äußeren des Arrestanten scheint wohl ein extrem hinterlistiges Unwesen zu stecken. (Ähnlichkeiten mit unserem Nachbarn waren wohl erkennbar.) Wir waren froh, als er noch vor Einbruch der Dunkelheit weggebracht wurde – der Gefangene, leider nicht der Nachbar.

Den Wettkampf mit den Waffen gewann schließlich Tanaise Righ Yorrik McYorrik, ein abgespaltener McYallach, vor seinem Kampfgefährten aus demselben Haus – jenem Aire Desso, gegen den ich ausgeschieden war. Moralisch fühlte ich mich somit quasi als Dritter … Den Bogenbewerb gewann Fochloch Druid Cameron an Beo McNeill McDonald, allerdings nur äußerst knapp (um 1 Punkt!) vor meiner Frau Cathleen! Seinen Siegerpreis übergab er ihr aus Dankbarkeit für die hervorragende Ausrichtung des Comraghs & aus bewundernder Anerkennung ihres Geschicks im Umgang mit Pfeil & Bogen. Ich wusste nicht, dass sie überhaupt damit umgehen kann, bin aber mächtig stolz auf sie! Hoffentlich wird sie jetzt nicht im nächsten Krieg zu den Truppen eingezogen. Die Denker-Herausforderung gewann Aire Tuise Captain Alastair McLeod, alle anderen wurden nicht mehr innerhalb der vorgegebenen Zeit fertig, aber Meghan McAuliv & Kira konnten zumindest einen größeren Teil meiner kniffligen Aufgaben lösen & landeten somit auf den Plätzen.

Nach einem grandiosen Abendessen & der Siegerehrung gingen wir bei Einbruch der Dunkelheit (schon wieder so spät!) noch alle gemeinsam zu einem wunderschönen Ritus zu Ehren von Danu in ihrer Dreiheit Macha, Morrigan & Maeb – noch nie zuvor durften wir Zeugen einer so großartigen Andacht unter Anleitung von 4 erlesenen, höchstrangigen Druiden werden – es war einfach überwältigend! Dass mitten in der Zeremonie ein weiterer König, Righ Tuaithe Angus McYallach McDubh, aus dem Dunkel der Nacht zu uns stieß, war ein letzter Höhepunkt dieses denkwürdigen Tages. Noch bis spät in die Nacht unterhielten sich die beiden Könige & manch andere hohe Würdenträger an unserem(!) Tisch über die Beilegung der Kriegstätigkeiten & die Bedingungen für einen baldigen Waffenfrieden. Ich verstand nicht allzu viel davon & kümmerte mich währenddessen um das Wohlergehen unserer Gäste. Ein paar Flaschen Cider ließen auch diese Nacht noch recht lange werden & feuchtfröhlich ausklingen.

Davor – noch bei Tageslicht – wurden manche der Gäste der ständigen Animositäten zwischen mir & Gealai leid & bekundeten immer mehr Interesse für „unseren“ Baum. So entstand eine kleine Gruppe, darunter die Ollam Druid Sinead an Direach McKennitt, der Fochloch Druid Kilian McGryffud & die Aire Echta Kayleigh an Ogma McConn samt Ehemann, die sich alle unseren Baum ansehen wollten. Selbstverständlich begleiteten wir sie, um ihnen den Ort zu zeigen, doch auch unser Nachbar sollte unbedingt mitkommen, so entschieden die hohen Herrschaften – mein Einspruch wurde von der ehrenwerten Ollam Druid sofort harsch abgewürgt.

Es wurden dann vor Ort verschiedenste mundane & übersinnliche Untersuchungen durchgeführt, doch offenbar brachte nichts davon ein eindeutiges Ergebnis. Dabei war die Sachlage doch sonnenklar: das ist unser Baum! Ein rasch vorgebrachter Vorschlag war dann, den Baum einfach zu fällen. Aber das war eine der wenigen Tatsachen, in denen Gealai & ich der gleichen Meinung waren – NEIN!

Doch dann hatte der blinde Fochloch Druid Kilian eine weise Idee: Jedes Jahr sollten wir gemeinsam den Baum abernten; einer von uns – das solle jährlich wechseln – mache zwei Stapel von Äpfeln & der andere dürfe sich den „besseren“ Stapel aussuchen. Aber damit nicht genug – da der Baum „auf beiden Seiten zugleich“, also auch in der Anderswelt steht, sollten wir ein Drittel unserer Produkte aus diesen Äpfeln an den Fochloch Druid Cameron an Beo McNeill McDonald liefern, der diese dann den Hohen widmen würde. Nach einer kurzen Bedenkzeit & Aushandlung der genauen Details erkannten wir, dass wir damit nun offizielle Apfel-Cider- bzw. Apfel-Whisk(e)y-Lieferanten für die Hohen wären. Damit konnten wir uns sehr schnell anfreunden & unseren Streit beilegen. Die Vereinbarung wurde von den Anwesenden gehört & bezeugt, natürlich mit einem Apfel besiegelt. Der letzte Apfel der heurigen Ernte wurde daraufhin sogleich an Cameron übergeben. Auf dem Rückweg vereinbarten wir noch, die Lieferung in gemeinsame Kisten zu verpacken, wobei ich die Südseite der Kisten haben dürfte. In aller gutnachbarschaftlicher Kollegialität schmiedeten wir sogleich konkrete Pläne, wie wir an unsere ehrenvolle Aufgabe herangehen wollten.

Nun war es auch endlich an der Zeit, Gealais Apfel-Whisk(e)y zu verkosten, der allen vorzüglich mundete. Selbst die Königin zollte seinem Erzeugnis mit den Worten „Das schmeckt ja unanständig, man möchte fast obszön sagen“ höchsten Respekt. Da kann er mit Recht stolz darauf sein! Da aber auch mein Apfelsaft & v.a. meine Cider immer wieder sehr gut ankamen, vereinbarten Gealai & ich gegenseitige Besuche, um voneinander die Herstellung von Whisk(e)y bzw. Cider zu lernen. Cathleen erklärte sich sofort bereit, auch im Obstgarten von Gealai mitzuhelfen, falls die Bäume besondere Fürsorge benötigen sollten. Es ist anzunehmen, dass die gemeinsame Ernte in Zukunft viel einfacher & rascher vonstattengehen wird. Das hilft uns allen, sich auf die weitere Verfeinerung unserer Erzeugnisse zu konzentrieren. Es ist sehr schön, so einen hilfsbereiten Nachbarn & guten Freund gewonnen zu haben! Es plaudert & trinkt sich auch wirklich gut mit ihm, wenngleich er nicht ganz so viel vertragen dürfte wie ich …

Ich denke, „unser“ Baum wird uns allen noch recht viel Freude bereiten! 😊

 

 

Dramatis personae – Gästeliste & Who is Who:

RhigannaTuaithe Kaytlin an Scathach (McMoiran-) McKennith
Ollam Druid Sinead an Direach (McKennit-) McDeryth
Aire Echta Kayleigh an Ogma McConn
Aire Tuise Alastair McLeod
Sgiobair Llewllyen an Gairdh McDeryth
Tannaishé Righ Yorrik (McYallach-) McYorrick
Boaire Meghan (McDonald-) McErskine McAuliv
Rhigh Tuaithe Angus McYallach
Faith Cameron (McDonald-) McTrevor McAuliv
Sagáth Finneaic (McMoirean-) McConn
Fochloch Killian McGryffyd
Fochloch Eada McGryffyd
Cennaire Beagan McDeryth
Midhach-Geselle Scadora McLoud
Aire Tuise Amena McKinnard
Aire Desso F…..  (McYallach-) McYorrik
Verwalterin d. Handelskontors Ain McAuliv
Klient v. M…McLear, Cpt. ??? McLeod
Gesandter des Druidenrats Cormac McArgatlam
Boaire (Bäuerin / Gastgeberin) Cathleen McGryffyd
Boaire (Apfelbauer / Gastgeber) Rylan McGryffyd
Boaire (Apfelbauer / Nachbar) Gealai McKennith
Smutje (Alastairs Schiffskoch) Duncan McLeod
Magd d. o.a. Gastgeber Kira McGryffyd
Ex-Druide / Kriegsgefangener Brian der Vielgesichtige ???

 

(ohne Anspruch auf Vollständigkeit u./od. Aktualität)

Ariochs Erben

Comragh – Der Apfelbaum

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„Der Apfelbaum“

Dies ist die Geschichte, wie aus zwei sturen und zerstrittenen Bauern Apfel-Cider- und Apfel-Whisky-Lieferanten für die Hohen wurden.

Mein Name ist Gealai mab Keylam McKennit McDubh, und mir gehört ein kleines Stück Land auf der wunderschönen dalriadischen Insel Creag Eilean. Im Süden grenzt mein Land an das Grundstück des Handelkontors von Aine McNeill McDonald, und unsere Grenze ist ein kleiner Fluss. Doch dieser Fluss teilt sich für eine kurze Strecke, um sich dann wieder zu vereinen. In der Mitte dieser Teilung entstand vor vielen, vielen Jahren eine kleine Insel, auf der der prächtigste Apfelbaum von ganz Dalriada steht, der natürlich auch die besten und saftigsten Äpfel von ganz Dalriada trägt. Bis vor zwei Jahren war alles in Ordnung, denn die Pächter des südlichen Grundstückes hatten keine Ahnung, was sie da für einen Schatz vor ihrer Türe stehen hatten (ich habe es leider auch verabsäumt es ihnen zu sagen), und so wurde vereinbart, der Baum gehöre mir. Dann, vor zwei Jahren, zogen sie leider auf Grund eines tragischen Schicksalsschlags weg, es kamen neuen Pächter, Rylan und Cathleen McCarthy McGryffud McDubh, und mit ihnen der Ärger. Denn im Gegensatz zu den alten Pächtern erkannten diese den Wert des Baumes und der Früchte. Sie stellen nämlich – wie ich jetzt weiß – wirklich guten Apfel-Cider her. Da dieser Baum genau zwischen unseren beiden Grundstücken steht, begannen sie nun einfach die Äpfel zu pflücken und zu verarbeiten. Das konnte ich natürlich nicht zulassen, denn es war doch mein Baum. Nur, die neuen Pächter ließen sich leider nicht so einfach einschüchtern, denn sie behaupteten – völlig zu Unrecht – es sei ihr Baum. Cathleen versuchte zwar immer wieder ein wenig Frieden zu stiften, aber ich konnte doch meinen Baum nicht einfach teilen. Also verbrachten wir die letzten zwei Jahre damit, einander das Leben schwer zu machen und den jeweils anderen in schlechtem Licht darzustellen. Es wurden auch mehrere Versuche unternommen, den Flusslauf leicht zu verändern, allerdings ohne Erfolg, denn der eine schüttete seine Seite des Bachbetts auf, doch der andere baute dies wieder zurück und grub die andere Seite nur noch tiefer …

Dann hörte ich von dem offenen Turnier Comragh, bei dem auch hohe Herrschaften des Clans McKennit dabei sein würden, und da witterte ich meine Chance. Alle anderen Nachbarn wollten daran nicht teilnehmen, nur ich blieb. Rylan und seine Frau richteten das Turnier aus und so wartete ich, bis viele der hohen Herrschaften bei ihm waren, und dann statte ich ihm einen Besuch ab. Er war nicht sehr erfreut, als er mich sah, und wollte mich eigentlich sofort rauswerfen, aber ich hatte als Zeichen meines guten Willens eine Flasche von meinem besten Apfel-Whisky als Gastgeschenk mitgebracht, welche er jedoch nicht annehmen wollte. Aber ob der hohen Herrschaften und der Freundlichkeit seiner Frau, wurde ich doch eingelassen und erhielt das Gastrecht. Natürlich stimmte ich zu, das Gastrecht nicht zu missbrauchen, aber schon der erste Abend war eine Genugtuung für mich, denn Rylan musste mich verköstigen und er bat mir – mehr oder weniger freiwillig – einen Schlafplatz an. Am Abend fand dann auch noch eine Verkostung seiner Apfel-Cider statt, die ich natürlich genoss, und an deren Abstimmung ich auch teilnahm. Mein Plan, absichtlich den schlechtesten Cider am höchsten zu bewerten, ließ ich dann fallen, denn sie schmeckten alle wirklich gut – was ich Rylan natürlich nicht sagte – und so bewertete ich wirklich nach dem Geschmack.

Die hohen Herrschaften witterten schon bald unsere „Freundschaft“, und so erzählte jeder von uns seine Sicht der Dinge über „seinen“ Apfelbaum, was hin und wieder zu heftigen Streitduellen zwischen Rylan und mir führte.

Am Abend fand dann auch noch die Auslosung für das Turnier am nächsten Tag statt, und wir wurden – leider – in unterschiedliche Gruppen gelost.

Das Turnier verlief ohne Zwischenfälle, und da ich mit meinen zwei Äxten doch recht gut umgehen kann, schaffte ich es in die zweite Runde. Cathleen kam beim Bogenbewerb auch in die zweite Runde, doch Rylan gelang dies nicht – worüber ich mich natürlich sehr freute. Aber es gab noch einen weiteren Bewerb, bei dem man sehr gut rechnen können musste, und ich kann zwar meine Äpfel, meinen Whisky und mein Geld zählen, aber dieses Rätsel schaffte ich nicht. Es ärgerte mich unendlich, dass es etwas gab, was er konnte und ich nicht, aber damit stand es 1:1.

Dass es zwischendurch immer wieder kleine Wortgefechte zwischen uns gab, sei hier nur der Vollständigkeit erwähnt.

Die Herrschaften bekundeten immer mehr Interesse für „unseren“ Baum und so entstand eine kleine Gruppe, darunter die Ollam Druid Sinead an Direach McKennitt, die Aire Echta Kayleigh an Ogma McConn und der Fochloch Druid Kilian McGryffud, die sich den Baum ansehen wollten. Also begleiteten wir diese Gruppe zum Baum, und jeder erzählte seine Sicht der Dinge. Kurz vor dem Aufbruch kam es wieder zu einem sehr lauten Wortgefecht, welches die ehrenwerte Ollam Druid aber harsch beendete.

Es wurden dann vor Ort verschiedene Untersuchungen durchgeführt, und ein Vorschlag war, den Baum zu fällen. Doch das war eine der wenigen Tatsachen, in denen Rylan und ich der gleichen Meinung waren – NEIN.

Dann aber hatte der Fochloch Druid Kilian eine Idee: Jedes Jahr sollten wir gemeinsam den Baum abernten; einer von uns – das wechselt jährlich – sollte zwei Stapel von Äpfeln machen, und der andere dürfte sich den „größeren“ Stapel aussuchen. Aber damit nicht genug – da der Baum auch in der Anderswelt steht, sollten wir ein Drittel unserer Produkte aus diesen Äpfeln an den Fochloch Druid Cameron an Beo McNeill McDonald liefern, der diese dann den Hohen widmen würde. Nach einer kurzen Zeit des Nachdenkens erkannten wir, dass wir damit nun offiziell Apfel-Cider- und Apfel-Whisky-Lieferanten für die Hohen wären. Damit konnten wir uns sehr schnell anfreunden und den Streit beenden. Die Vereinbarung wurde natürlich mit einem Apfel besiegelt, und der letzte Apfel der heurigen Ernte wurde sogleich an den Fochloch Druid Cameron übergeben.

Als dann am Nachmittag die Königin kam und am Abend meinen Whisky kostete und mit den Worten „Das schmeckt ja unanständig, man möchte fast obszön sagen“ bewertete, war mein Tag mit Stolz und Freude erfüllt.

Ich bin leider in der zweiten Runde des Turniers ausgeschieden, aber Cathleen erreichte beim Bogenbewerb Platz 2, was mich zu diesem Zeitpunkt wirklich sehr freute. Rylan und ich haben dann auch noch Cider und Whisky verkostet und stellten fest, der jeweils andere macht wirklich guten Stoff.

 

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Barans Erwachen – aus der sehr persönlichen Sicht eines Scheibenkreuzritters:

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Spielerbericht von KH K. aus der Sicht seines Spielercharakters:

 

Diese Reise war die 2. Mission, die ich im Dienste der Scheibenkreuzritter erledigen sollte. Mir wurde Lyra, eine junge Halbelfe, als Begleitung zur Seite gestellt. Auch sie ist, bzw. war ein Schützling unseres gemeinsamen Mentors, Sean Ballantine..

Es begann alles ganz normal, doch nein, es begann ungewohnt und verwirrend. Ich war es gewohnt Reisevorbereitungen und Reisen nach festen Regeln zu planen und durchzuführen. Doch Lyras quirlige Art und ihre Neugier brachten mich doch immer wieder aus dem Konzept. Auch die Art und Weise, wie sie die Welt entdeckte, hatte ich schon sehr lange nicht mehr erlebt. Sie erlebte alles mit den Augen eines Kindes.

Wir machten uns auf den Weg und nutzen die guten Karten des Ordens um möglichst schnell an unser Ziel zu gelangen. Wir kamen gut voran bis dann plötzlich das Chaos begann. Die Erde erbete, Blitze und Donner füllten den Himmel und wir stürzten aus großer Höhe zu Boden und verloren das Bewusstsein.

Als wir erwachten war es Nacht und kalt und wir waren viel weiter im  Norden, als wir sein hätten dürfen. Wir stellten fest, dass wir knapp unter der Baumgrenze angekommen waren. Auf der Suche nach einem Unterschlupf näherten wir uns einer Klamm, aus deren Grund ein Feuerschein zu sehen war. Doch als wir uns näherten erkannten wir große pelzige Gestalten, hörten wolfsähnliches Heulen und entschlossen uns, nicht näher zu gehen und suchten Schutz in eine kleine Höhle. Mein Schild diente uns als Tor auf einer Seite, Lyra verbarg sich darunter und mein Körper bildet einen Schild zur anderen Seite.

Die Gegend gab sich mir als Tundara zu erkennen.

Am nächsten Morgen machten wir uns weiter auf den Weg, doch obwohl es kalt, windig und unwegsam war, gewann die Umwelt, durch Lyras frohes Wesen, an Farbe. Es war schon dunkel, als wir die erleuchteten Fenster vor der schwarzen Shilouette einer Burg sahen. Wir bewunderten noch einmal – das letzte Mal, wie ich jetzt weiß – gemeinsam den beeindruckenden Sternenhimmel und näherten uns dann der Burg.

Vor der Burg trafen wir bekannte Gesichter, darunter Lani, Aristachos und Akascha mit ihrem Begleiter und wir wurden freundlich in die Burg gebeten. Im Burghof wurden wir von einem Elfen mit den Namen Baran empfangen, der uns mitteilte, dass 11 Frauen (Baran las die Namen vor) darunter auch Lani, erwählt wurden. Jede wurde mit einem Artefakt verbunden und jedes Artefakt stand für einen Aspekt oder eine Queste.

Die 1. Queste ließ nicht lange auf sich warten, denn die Burg wurde angegriffen. Nach erfolgreicher Verteidigung gegen Untote und Trolle leuchtete das 1. Artefakt erst grün und dann rot. Wir erfuhren, dass es rot leuchtet wenn es aufgeladen und einsatzbereit war. Wir fanden auch heraus, dass hier das Ritual der „schwarzen Frauen“ wiederholt werden sollte um den, der schläft, weiter schlafen zu lassen.

Am nächsten Tag klärten sich die Aspekte der anderen Artefakte, es waren: Ehre, Wissen, Magie, Geheimnis, Diplomatie, Heilung,… . Jedes dieser Artefakte war durch eine Queste zu aktivieren und zu befüllen. Es traf auch noch die 10 Frau ein, doch die 11 hatte es nicht geschafft und es verbreitete sich das Gerücht – welches dann zur Gewissheit wurde – es musste sich eine 11. Frau freiwillig melden.

Lyra versuchte den ganzen Tag Questen zu lösen, doch es fehlten ihr immer einzelne Teile und sie war traurig und enttäuscht, doch ihr Aufgabe war es nicht, Questen zu lösen. Ich habe mit ihr schon recht bald über die 11. Frau gesprochen und die Neugier in ihr hatte ihr bereits frühzeitig ihren Weg aufgezeigt, doch ich denke, ich wollte ihn nicht sehen. Sie war noch viel zu jung für diesen Weg und sie war auch keine Kriegerin und ich könnte sie auf diesem Weg nicht beschützen.

Es wurden auch immer mehr Details über das Ritual bekannt und so auch, dass es wahrscheinlich keinen Weg zurück geben würde.

Und in der Stunde der Entscheidung nahm Lyra den Platz ein, den die Geschichte für sie bereit gestellt hat, sie meldete sich freiwillig.

Währenddessen wurde Queste um Queste gelöst, die Artefakte wurden gefüllt und jede Frau, deren Artefakt fertig gefüllt war, verwandelt sich in eine schwarze Frau.

Wir sahen es an Lani. Sie veränderte sich nicht nur äußerlich, sondern auch ihr Wesen veränderte sich. Das, was sie ausgemacht hatte, erlebte sie nur mehr als Erinnerung und sie verlor die Gefühle und Nähe zu ihren Mitmenschen. Dieses war besonders für all jene die ihr sehr nahestanden, sehr schmerzlich und sie litten darunter.

Doch nachdem auch Lyra das Artefakt bekommen hatte und dieses gefüllt wurde, verwandelte auch sie sich. All ihre Quirligkeit und ihr fröhliches und kindliches Wesen waren verschwunden und dieses machte mich sehr traurig. Ich habe mein Leben dem Schutz der Hilf- und Wehrlosen gewidmet, doch hier konnte ich nichts tun, um den Menschen, der mir in den letzten Tagen sehr ans Herz gewachsen war, vor dem Unvermeidlichen zu schützen.

Nach einem langen Tag, voller Questen und Rituale, waren nun alle Artefakte gefüllt und die Zeit des Rituals war gekommen. Ich verbrachte die letzten Minuten mit Lyra und gab ihr als Zeichen meiner Hochachtung ihres Mutes und als Zeichen meiner tiefen Freundschaft mein Scheibenkreuz mit auf den Weg. Sie in die Dunkelheit gehen zu lassen ohne ihr das hellste Licht als Begleiter zu geben, welches ich bei mir hatte, konnte ich nicht zulassen.

Bevor sich Baran und die 11 Frauen ins Portal begaben, übergab er noch die Burg an einen Vertreter Sturmlands, an Berthold Steinmar von Klingenau, der dafür einstand, dass alle hier freies Geleit erhielten.

Die wenigen Augenblicke in denen die Frauen durch das Portal gingen, erscheinen uns wie Stunden, doch dann verschwand die letzte Frau im Portal und es war vollbracht, doch es brach kein Jubel aus, ich glaube, wir verstanden erst jetzt welches Opfer sie für uns, die wir weiterleben durften, gebracht hatten.

Als wir alle noch zwischen Freunde, Hoffnung und Trauer hin und hergerissen waren, erschienen Nachtalben. Sie wollten die Burg übernehmen, doch der Sturmländer kämpft mit dem Anführer und vertrieb sie. Es war eine ganz seltsame Stimmung und Situation, denn es kämpfte nur der neue Burgherr, alle anderen waren noch in der Stimmung gefangen und kämpfen mit sich.

Dann passierte allerdings etwas, was wir kaum zu hoffen wagten, denn es kamen zwei der schwarzen Frauen wieder aus dem Portal. Es war Lani und Kerran Williams. Aristachos war überglücklich und obwohl ich mich für ihn aus tiefstem Herzen freute, schaffe es die Freude nicht, meine Trauer zu überwinden.

Von Lani habe ich dann erfahren, dass sich alle Menschen bis auf sie und Kerran auflösten, doch Lyra verschwand und mit ihr eine zweite Elfe. Ich habe dann von Akascha erfahren, dass Elfen nicht sterben, sondern in eine andere Welt aufsteigen und dort weiterleben. So glaube ich nun, dass Lyra in dieser Welt weiterlebt und jetzt auch von den „echten“ Elfen, da sie ein Halbelfe war, ob ihres Mutes und ihre Tat respektiert und anerkannt wird und ich habe den Traum, dass sie diese neue Ebene, wie es die Elfen nennen, vielleicht sogar als eine von ihnen erleben darf, als echte Elfe.

Es war auch noch ein 2. Ritter unsere Ordens, Reagar MacLonnert, vor Ort und gemeinsam brachten wir die, die in diesem Teil Ariochias nicht sicher oder willkommen waren, zu sicheren Orten.

 

Aus Achtung vor Lyra, ihrem Mut und als Sinnbild für Selbstlosigkeit, wird mich ihr Name fortan begleiten, als Inschrift meines Schwertes. Ihre Frohnatur und ihr Wesen werden aber für immer einen Teil meines Herzens ausfüllen.

   

Ansgar von Wiesenbrück

Scheibenkreuzritter

Ariochs Erben

Spiel-Bericht: Baran – das Erwachen

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Zum dreißigjährigen Bestehen unseres Vereins wird ein Live auf die Beine gestellt, das unserer Welt Ariochia gerecht werden soll. Einem großen Meta-Plot folgend, der seit Jahren Ariochia im Hintergrund prägt, ist der Zeitpunkt gekommen, an dem entschieden wird, ob uns die Welt, wie wir sie kennen, erhalten bleibt.

Der Charakter, mit dem ich dieses Livre erlebe, ist die blinde Laani.

Laani und ihre Reisegefährten sind auf dem Weg zur Feste Nordmarkstern. Je näher sie der Feste kommt, desto klarer weiß sie, dass sie dort hinmuss. Dort wird etwas Wichtiges geschehen. Sie verspürt Eile und Dringlichkeit bis zu dem Punkt, an dem sie sich kaum mehr vorstellen kann, etwas anderes zu tun, als zur Feste zu gehen.

Viele Leute sind zur Feste Nordmarkstern gekommen, denn manches deutete darauf hin, dass der Ort im Schicksal Ariochias eine Rolle spielen wird. Alle werden von Baran begrüßt, dem Herrn der Burg.

Er nennt die Namen von elf Frauen, die er in den letzten Wochen gerufen hat. Solange sie noch überrascht sind, erhalten sie ein Artefakt um den Hals gehängt, das mit ihren Körpern verschmilzt.

Es ist mehr als fraglich, ob alle sich ihrer Aufgabe gestellt hätten, hätten sie eine Wahl gehabt.

Es stellt sich nämlich heraus, dass diese Frauen dazu bestimmt sind, Ariochia zu retten. Schon zuvor wurde die Legende bekannt, dass der Schöpfer Ariochias, Wynan, sich in tiefem Schlaf befindet und weiterschlafen muss, soll die Welt so fortbestehen, wie er sie erträumt hat. Nur wenn alle 166 Jahre von elf Frauen ein Ritual durchgeführt wird, kann sein Schlaf andauern. Der Tanz der Schwarzen Frauen lässt diese aber transzendieren.

Man könnte auch sagen, sie sterben.

Obwohl – man hat schon Geschichten gehört, dass Schwarze Frauen auch zurückgekehrt seien.

Da vor zwanzig Jahren nicht genug Frauen dem Ruf gefolgt sind, und der Tanz daher nicht den notwendigen Effekt hatte, hat Ariochia bereits begonnen sich zu verändern. Und so sandte Baran nun diesen Ruf aus, um Wynans Schlaf doch noch andauern zu lassen und dadurch Schlimmeres zu verhindern.

Langsam wird allen Anwesenden bewusst, was das bedeutet. Die elf Frauen würden sich opfern müssen, um Ariochia zu retten. Bestürzung macht sich breit, aber auch Tatendrang. Die Frauen schwanken zwischen Entschlossenheit, Fatalismus, Opferbereitschaft und Widerstand. Ihre Freunde empfinden Hilflosigkeit, Verzweiflung und Wut. Doch letztendlich gibt es keinen anderen Weg.

Baran hat in und um die Feste Gelegenheiten geschaffen, die es möglich machen, die Artefakte zu aktivieren und die Frauen dadurch zu wandeln, mit magischer Kraft aufzuladen, und sie so für den Tanz bereit zu machen. Verschiedene Aspekte, die die Welt Ariochia ausmachen, werden erweckt: Kampf, Heilung, Magie, Ehre, Geschick, Wissen, Diplomatie, Geheimnisse, Natur – es gibt viele Aufgaben, die zu erledigen sind, und alle helfen mit.

Doch manche helfen zögernder als andere – es sind jene, die spüren, dass sie eine Freundin, eine Reisegefährtin, eine Geliebte verlieren würden. Als die ersten Artefakte beginnen zu leuchten, als die ersten Frauen beginnen sich zu wandeln, ist zu spüren, dass viele tief betroffen sind von dem, was geschieht.

Als Laanis Artefakt aktiviert, wird ihr Sein auf das Ritual ausgerichtet. Diese Zielgerichtetheit vermischt sich allerdings mit Angst und Verzweiflung. Denn Baran hat den Frauen erklärt, dass sie nach der Wandlung ihr altes Leben nur noch als Erinnerung in sich tragen werden. Im Moment der Aktivierung wird Laani klar, dass sie sich von Aristachos verabschieden muss, solange sie noch für ihn empfindet. Denn noch bevor sie sterben wird, wird sie ihre Gefühle für ihn vergessen. Noch nie in ihrem Leben war sie so verzweifelt. Dass Aristachos leidet wie sie, zerreißt sie fast. Der Augenblick des Abschieds ist grauenvoll.

Danach ändert sich alles.

Laanis Gesicht und ihre Hände werden schwarz. Ihr Leben verblasst. Sie erinnert sich nur noch daran, ohne Gefühl. Nur noch das Ritual ist wichtig. Aristachos kann sie nur noch sagen, dass er ihr früher sehr wichtig war.

Aber sie fühlt sich stark, kampfbereit, mächtig, bis zum Rand mit magischer Macht gefüllt.

Da eine der gerufenen Frauen nicht auftaucht, ist es notwendig, dass eine Anwesende sich freiwillig bereiterklärt, eine Schwarze Frau zu werden. Mit bewundernswertem Mut meldet sich Lyra Venjar, eine Halbelfe, die von den schon gewandelten Schwarzen Frauen in ihren Kreis aufgenommen wird.

Nach und nach werden alle Aufgaben erfüllt und alle Frauen gewandelt. Als das Portal sich öffnet, durch das die Schwarzen Frauen treten müssen, sind viele der Anwesenden froh, erfolgreich gewesen zu sein. Neben der Trauer jener, die jemanden verlieren, scheint Hoffnung viele Gespräche zu durchdringen.

Laani wird magisch an das Portal gebunden, um es offen zu halten und die Frauen treten hindurch.

Was bleibt zu sagen? Der Tanz war diesmal erfolgreich.

Und die Geschichten von Schwarzen Frauen, die zurückgekehrt sind, scheinen wahr zu sein. Denn zwei Frauen stürzen nach einer gefühlten Ewigkeit wieder aus dem Portal heraus: Laani und Karen Williams. Die eine fand ihren Halt in der Verbindung mit dem Portal, die andere mit unbändiger Lebenskraft in sich selbst.

Beide sind tief erschüttert.

Beide sind gezeichnet von dem, was sie erlebt haben.

Beide sind erfüllt von Erfahrungen, die sie ihr ihr ganzes Leben nicht mehr loslassen werden.

Doch Ariochia wird weitergeträumt.

(Ein Bericht von Martina K.)

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Nelli (17): Mein magischer Weg in die LARP-Szene

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Ich werde immer wieder gefragt, wie ich denn auf die Idee gekommen bin, an Liverollenspielen teilzunehmen. Ich bin sicher, jeder Liverollenspieler hat eine einzigartige Geschichte, wie er oder sie zu diesem einzigartigen Hobby gefunden hat.

In meinem Fall begann dieses Abenteuer bereits im Alter von elf Jahren – durch einen glücklichen Zufall. Damals hatte ich gerade die Harry Potter Bücher gelesen und träumte davon, meinen Hogwarts Brief zu bekommen – wie jedes elf-jähriges Kind, nehme ich an. Im Gegensatz zu den meisten anderen Potterheads wurde mir dieser Wunsch schließlich sogar erfüllt. Der Vater der besten Freundin meiner Schwester – Ralph Schimpl – hatte bereits vor meiner Geburt den Verein Ariochs Erben gegründet und nun beschlossen, auch ein Spiel für Kinder und Jugendliche zu organisieren. Das Setting dieses Spieles war eine Schule für Magiebegabte mit dem Namen „Rufus Reigenthum“, die Hogwarts nachempfunden und sich in der von J.K. Rowling erschaffenen Magiewelt befand, allerdings in Österreich angesiedelt war. Meine Schwester und ich, sowie ein weiterer Freund der Familie, wurden von unseren Eltern angemeldet, die selbst auch als NSCs am Spiel teilnahmen. Obwohl die Häusereinteilung vorrangig nach dem Alter erfolgte, wurden wir alle in das Haus eingeteilt, mit dem wir uns am meisten identifizierten (Unter uns: Ich halte es sogar für möglich, dass diese Einteilung auch unseren realen Charakter in eine entsprechende Richtung gelenkt hat). Die Spielleitung hatte für die verschiedenen Altersgruppen unterschiedliche Plots vorbereitet, sodass jeder, seinem Alter angemessen, möglichst viel Spaß haben konnte. Ich sammelte an diesem Wochenende so viele schöne Erinnerungen, dass ich bei der Rückkehr in mein normales Leben weinte, da ich zurück in die Welt der Fantasie wollte.

Etwas später entdeckte ich eine andere Art des Rollenspiels für mich: eine online Community, in der Rollenspiele in Chatrooms stattfanden. Hier lernte ich, völlig in die Rolle einer von mir geschaffenen Person zu schlüpfen und mit anderen auf interessante Art und Weise zu interagieren, sodass sich eine Geschichte ergab. Obwohl ich in diesen Chatrooms gute Freunde fand und viel Spaß hatte, war es doch kein Vergleich zu den Gefühlen, die das Liverollenspiel in mir ausgelöst hatte.

Es dürfte also keine Überraschung sein, dass ich wie ein Gummiball durch die Wohnung sprang, als ich erfuhr, dass eine Fortsetzung des Spieles, an dem ich im Alter von elf Jahren teilgenommen hatte, geplant war. Seit meinem ersten Spiel waren nun fünf Jahre vergangen also überarbeitete ich meinen Charakter. Wir bastelten neue Zauberstäbe und lernten voller Vorfreude Zaubersprüche, wie es sich für gute Zauberschüler eben gehört – und wir wurden nicht enttäuscht. Actionreiche Kämpfe, spannende Questen und ein magisches Ritual, welches es beinahe unmöglich machte, nicht tatsächlich an Magie zu glauben, verzauberten mich wie bei meinem ersten Spiel. Die Welt des Liverollenspiels hatte mich erneut in ihren Bann gezogen!

Im Zuge dieses Spieles erfuhr ich nun auch von der Existenz des Vereins Ariochs Erben, von dem ich aufgrund meines Alters bei meinem ersten Spiel nichts mitbekommen hatte. Nun aber war ich alt genug, um beizutreten und, bereits einige Wochen nach besagtem zweitem Spiel, tat ich dies auch. Ich besuchte die Stammtische und meldete mich für eine Steampunk Taverne, „Die rote Schwalbe“ an, welche ich im August 2018 zusammen mit Ralph, dessen Charakters Mündel ich spielte, besuchte. Dies war das erste Mal, dass ich an einem Spiel für Erwachsene teilnahm, doch ich fühlte mich vom ersten Moment an herzlichst aufgenommen – auch wenn ich die meisten anderen Spieler nicht kannte. Über jenen Abend will ich jetzt nicht zu viele Worte verlieren, doch es sei gesagt, dass ich selten so viel und so zwanglos Spaß hatte. Jemand anderer zu sein, erlaubte mir auf gewisse Art und Weise, mehr ich selbst zu sein.  Für jemanden, der noch nie ein Spiel wie dieses erlebt hat, wird es unbegreiflich sein, wie ich mich fühlte, doch ich war vollkommen in meiner Rolle, die sich von meiner realen Person in gewissen Bereichen enorm unterschied – und war im Nachhinein selbst überrascht von dem Selbstbewusstsein, das ich hier an den Tag legte. Ich schien jegliche Hemmschwellen und Ängste vergessen zu haben, da ich mich in der Gesellschaft meiner Mitspieler so wohl fühlte, als wären sie meine Familie – selbst, wenn ich sie gerade erst zum ersten Mal gesehen hatte.

Auf dieses Liverollenspiel folgte bald das nächste und so nahm ich im September an meiner ersten Taverne in der Welt von Ariochia teil. Genau genommen war mein Charakter hier ein NSC, da ich für die Spielleitung alle gesammelten Informationen schriftlich festhalten sollte, doch Claudia, die hier die Spielleitung übernahm, ließ mir viele Freiheiten bei der Gestaltung. Die Rolle, die ich verkörperte, war die einer Halbelfe aus dem Wald, die aus Neugier in die Welt aufgebrochen war. Ihr Name war Lyra.

Bald darauf fand eine weitere Steampunk Taverne, „die Edenbar“, statt. Diesmal schrieb ich die Hintergrundgeschichten sowohl für meinen Charakter als auch für den von Ralph, der erneut mein Begleiter war. Auch hier fühlte ich mich wieder sehr willkommen, selbst als mein Charakter schließlich des Mordes beschuldigt wurde (unschuldig – selbstverständlich).

Ungefähr zu dieser Zeit, fasste ich auch den Entschluss, mich dem Thema des Liverollenspiels in meiner vorwissenschaftlichen Arbeit, die ich im Zuge meiner Matura schreiben muss, zu widmen. Auslöser hierfür war die Erkenntnis, dass dieses Hobby mein Leben auch in der realen Welt positiv beeinflusst hat und ich aus den Spielen tatsächlich viel für den Alltag mitnehmen konnte.

Etwas später fand eine weitere Ariochia Taverne statt. Auch hier schlüpfte ich wieder in die Rolle Lyras, die mir selbst mittlerweile als Herz gewachsen war. Hier knüpfte ich Kontakte und führte Gespräche, die für das darauffolgende Spiel von Wichtigkeit sein würden – das große Jubiläumsspiel „Baran -das Erwachen“ im März, bei dem wir das 30-jährige Bestehen von Ariochs Erben feierten. Zwischen den beiden Spielen schaffte ich es nun endlich, meinen Charakter auch offiziell nach Codex III zu erstellen und bastelte weiter an meinem Kostüm. Als das lang ersehnte Wochenende kam, wurden meine Erwartungen erneut übertroffen. Durch die vorbereitete Anreisegeschichte Lyras, die in Begleitung eines Scheibenkreuzritters gereist war und auf der Reise eine Freundschaft zu ihm entwickelt hatte, war bereits vom ersten Moment an eine wunderbare Grundlage für interessantes Rollenspiel geboten, das bald durch die diversen Questen, Kämpfe und Rätsel, noch spannender wurde. Auch hier möchte ich mich nicht zu lange damit aufhalten, einzelne Geschehnisse zu erläutern, doch eins führte zum anderen und mein Charakter beschloss schließlich, sich für das weitere Bestehen der Welt Ariochias zu opfern. Ich wage zu behaupten, dass dieses Verhalten auch meine Mitspieler bewegte, denn sie alle boten mir Schutz und taten ihr Bestes, um mir zu helfen. Auch wenn es mir ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr möglich war, dies als mein Charakter zu zeigen, so war auch ich zu tiefst gerührt von der Wärme, die mir entgegengebracht wurde.

Da dies das letzte Spiel war, an dem ich teilnahm, muss mein Bericht hier enden, doch es ist gewiss, dass das Ende dieser Geschichte noch lange nicht absehbar ist. Einmal im Bann des Liverollenspiels kommt man nicht mehr heraus – doch wozu auch? Es ist und bleibt doch das magischste Hobby der Welt!