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Baran – oder 30 Jahre Ariochs Erben

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Spielerbericht von Lukas M.:

 

Mit einer gewissen Spannung und Erwartung bei all diesen enormen Vorbereitungen bin ich auf dieses Spiel gefahren und in gewisser Weise hat es meine rein persönlichen! Erwartungen voll erfüllt.

Es hatte so gut wie alles was man von 30 Jahren Liverollenspiel (im Fantasy-Bereich) erwarten konnte:

  • Den klassischen wellenartigen Angriff von stereotypisch, maskierten, generischen NSC-Schnetzelmonstern, die aus NSC-Mangel, oder weil es einfach zu Spieler/innen sind, immer wieder aufstehen und 5 Meter weiter hinten neu anrennen und immer bis zum Tod kämpfen.
  • Superschnelle magische Heilung und auf zur nächsten Kampfrunde.
  • Das unabwendbare Ritual, weil es eben dazugehört, mit buntem Sand und Kreide, Trommeln, zählen wie viele Magiepunkte einfließen mit engagiertem Ritualleiter und quasi offenem Ausgang.
  • Ein-Miniturnier damit die kampflastigen Charaktere nicht nur den Magiern und Klerikern beim Plot lösen zusehen.
  • Rätsel müssen auch sein – sonst würde was fehlen – gut recycelt und ein paar neue für die Ambiente-Spieler/innen, damit zwischendurch nicht zu viele Lücken entstehen.
  • Ein technisch aufwendiger Dungeon für schlanke, geschickte Charaktere, und um etwas Spannung zu erzeugen.
  • Der unbesiegbare, quasigöttliche SL-NSC, der notfalls alles wieder ins Lot bringt.
  • Der Hauptplot nach Lehrbuch: Löse Aufgabe 1, dann Aufgabe 2, Achtung jetzt wird es innovativ – Aufgaben 3 und 4 kann man gleichzeitig lösen – das Ende des Plots ist vorgegeben und wird durchgezogen, selbst wenn die Spielerinnen sich „verrennen“.
  • Ein Weltrettungsszenario – na was sonst?
  • Charaktere die einfach am Spielort „hinploppen“ (durch die Nebel oder was auch immer) weil sie sonst niemals dort hinkommen würden; andere sind dort weil sie sich krampfhaft einen Grund aus den Fingern gesogen haben, weil die Charaktere keinen Grund haben vor Ort zu sein.
  • Ein tiefer Griff in den Schminkkübel ist natürlich auch verpflichtend.
  • Das zum Lachen oder zumindest Lächeln anregende, nicht geplante SL-Hoppala: „Oups, äh, liebe Spieler/innen – nehmt mal dieses Fell für die Mitte des Rituals – äh, tja der NSC ist schon für die Szene nach dem Ritual geschminkt und kann daher nicht teilnehmen, obwohl das Ritual wegen ihm gemacht wird…“
  • Das leichten Frust auslösende „Deus ex Machina“ – Prinzip der SL, wenn was nicht wie geplant läuft: „Tja, die Rätsel waren zu schwer, oder zu viele, zu viele Ablenkungen. Ihr habt erst 1/3 der Artefaktteile, die restlichen 7 oder 8 besorgt euch einer der „100 Con-Tage-SC“ mit einem Ortungszauber – macht eh nichts, dass ihr euch stundenlang für die ersten Teile abgemüht habt, oder? – das Spiel muss ja weiter gehen…“
  • Die Wunderwuzzis und hunderte Con-Tage Spieler, Halbelementare und Superhexer, die sich ehrlich bemühen nicht alles selber zu lösen um nicht als Pappnasen dazustehen (was sie auch geschafft haben) waren ebenso vertreten wie völlige Neulinge mit Anfängercharakteren.
  • „Feuerball 4 – auf den NSC zeigen und dessen Namen sagen ohne Zauberkomponente“ – oh mein Gott wie habe ich das in den letzten Jahren NICHT vermisst.
  • Ein Spiel ohne blinkende Lichter und Nebelmaschine geht ja gar nicht – also immer her damit.
  • Endlose Besprechungen unter den Spieler/innen die zu kaum etwas führen weil sie auf Spekulationen und nicht auf Fakten beruhen.
  • Der pünktlich angekündigte Dämon bei dem plötzlich alle magischen und geweihten Waffen einfach durch SL-Ansage nicht mehr funktionieren, damit der vorherbestimmte SNSC ihn töten kann, egal ob sich die Spieler/innen daneben unnötig vorkommen.
  • Ein sehr engagiertes aber überfordertes Küchenteam.
  • Krankheitsbedingte Last-Minute Ausfälle bei NSCs und SL.
  • Die obligatorische SL-Ansprache, diesmal sogar vom Laptop abgelesen.
  • Nur der „Endkampf“ hat nicht stattgefunden – aber soll ja noch Fortsetzungen folgen…

Fazit:

  • Eine sehr gelungene, selbstironische Parodie auf 30 Jahre Fantasy-Lives bei Ariochs Erben.
  • Ein Spiel wie ein Brei aus allen Zutaten die man eben so braucht mit vielen Köchen.
  • Ein Live das jedes Klischee bedient hat, um eine eierlegende Wollmilchsau zu produzieren.
  • Weniger wäre doch mehr gewesen.
  • Die ideale Mischung mit allen wichtigen Genre-Elementen.
  • Einfach alles „verwurschten“ und ein Spiel draus machen, echt jetzt?
  • Oder ein wenig aus allen obigen Punkten?

 

Alle Teilnehmer/innen sollten wohl am besten selbst entscheiden, was ihr Fazit ist von „Baran – 30 Jahre Ariochs Erben“.

Servus Lukas

 

Ariochs Erben

Spiel-Bericht: Baran – das Erwachen

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Zum dreißigjährigen Bestehen unseres Vereins wird ein Live auf die Beine gestellt, das unserer Welt Ariochia gerecht werden soll. Einem großen Meta-Plot folgend, der seit Jahren Ariochia im Hintergrund prägt, ist der Zeitpunkt gekommen, an dem entschieden wird, ob uns die Welt, wie wir sie kennen, erhalten bleibt.

Der Charakter, mit dem ich dieses Livre erlebe, ist die blinde Laani.

Laani und ihre Reisegefährten sind auf dem Weg zur Feste Nordmarkstern. Je näher sie der Feste kommt, desto klarer weiß sie, dass sie dort hinmuss. Dort wird etwas Wichtiges geschehen. Sie verspürt Eile und Dringlichkeit bis zu dem Punkt, an dem sie sich kaum mehr vorstellen kann, etwas anderes zu tun, als zur Feste zu gehen.

Viele Leute sind zur Feste Nordmarkstern gekommen, denn manches deutete darauf hin, dass der Ort im Schicksal Ariochias eine Rolle spielen wird. Alle werden von Baran begrüßt, dem Herrn der Burg.

Er nennt die Namen von elf Frauen, die er in den letzten Wochen gerufen hat. Solange sie noch überrascht sind, erhalten sie ein Artefakt um den Hals gehängt, das mit ihren Körpern verschmilzt.

Es ist mehr als fraglich, ob alle sich ihrer Aufgabe gestellt hätten, hätten sie eine Wahl gehabt.

Es stellt sich nämlich heraus, dass diese Frauen dazu bestimmt sind, Ariochia zu retten. Schon zuvor wurde die Legende bekannt, dass der Schöpfer Ariochias, Wynan, sich in tiefem Schlaf befindet und weiterschlafen muss, soll die Welt so fortbestehen, wie er sie erträumt hat. Nur wenn alle 166 Jahre von elf Frauen ein Ritual durchgeführt wird, kann sein Schlaf andauern. Der Tanz der Schwarzen Frauen lässt diese aber transzendieren.

Man könnte auch sagen, sie sterben.

Obwohl – man hat schon Geschichten gehört, dass Schwarze Frauen auch zurückgekehrt seien.

Da vor zwanzig Jahren nicht genug Frauen dem Ruf gefolgt sind, und der Tanz daher nicht den notwendigen Effekt hatte, hat Ariochia bereits begonnen sich zu verändern. Und so sandte Baran nun diesen Ruf aus, um Wynans Schlaf doch noch andauern zu lassen und dadurch Schlimmeres zu verhindern.

Langsam wird allen Anwesenden bewusst, was das bedeutet. Die elf Frauen würden sich opfern müssen, um Ariochia zu retten. Bestürzung macht sich breit, aber auch Tatendrang. Die Frauen schwanken zwischen Entschlossenheit, Fatalismus, Opferbereitschaft und Widerstand. Ihre Freunde empfinden Hilflosigkeit, Verzweiflung und Wut. Doch letztendlich gibt es keinen anderen Weg.

Baran hat in und um die Feste Gelegenheiten geschaffen, die es möglich machen, die Artefakte zu aktivieren und die Frauen dadurch zu wandeln, mit magischer Kraft aufzuladen, und sie so für den Tanz bereit zu machen. Verschiedene Aspekte, die die Welt Ariochia ausmachen, werden erweckt: Kampf, Heilung, Magie, Ehre, Geschick, Wissen, Diplomatie, Geheimnisse, Natur – es gibt viele Aufgaben, die zu erledigen sind, und alle helfen mit.

Doch manche helfen zögernder als andere – es sind jene, die spüren, dass sie eine Freundin, eine Reisegefährtin, eine Geliebte verlieren würden. Als die ersten Artefakte beginnen zu leuchten, als die ersten Frauen beginnen sich zu wandeln, ist zu spüren, dass viele tief betroffen sind von dem, was geschieht.

Als Laanis Artefakt aktiviert, wird ihr Sein auf das Ritual ausgerichtet. Diese Zielgerichtetheit vermischt sich allerdings mit Angst und Verzweiflung. Denn Baran hat den Frauen erklärt, dass sie nach der Wandlung ihr altes Leben nur noch als Erinnerung in sich tragen werden. Im Moment der Aktivierung wird Laani klar, dass sie sich von Aristachos verabschieden muss, solange sie noch für ihn empfindet. Denn noch bevor sie sterben wird, wird sie ihre Gefühle für ihn vergessen. Noch nie in ihrem Leben war sie so verzweifelt. Dass Aristachos leidet wie sie, zerreißt sie fast. Der Augenblick des Abschieds ist grauenvoll.

Danach ändert sich alles.

Laanis Gesicht und ihre Hände werden schwarz. Ihr Leben verblasst. Sie erinnert sich nur noch daran, ohne Gefühl. Nur noch das Ritual ist wichtig. Aristachos kann sie nur noch sagen, dass er ihr früher sehr wichtig war.

Aber sie fühlt sich stark, kampfbereit, mächtig, bis zum Rand mit magischer Macht gefüllt.

Da eine der gerufenen Frauen nicht auftaucht, ist es notwendig, dass eine Anwesende sich freiwillig bereiterklärt, eine Schwarze Frau zu werden. Mit bewundernswertem Mut meldet sich Lyra Venjar, eine Halbelfe, die von den schon gewandelten Schwarzen Frauen in ihren Kreis aufgenommen wird.

Nach und nach werden alle Aufgaben erfüllt und alle Frauen gewandelt. Als das Portal sich öffnet, durch das die Schwarzen Frauen treten müssen, sind viele der Anwesenden froh, erfolgreich gewesen zu sein. Neben der Trauer jener, die jemanden verlieren, scheint Hoffnung viele Gespräche zu durchdringen.

Laani wird magisch an das Portal gebunden, um es offen zu halten und die Frauen treten hindurch.

Was bleibt zu sagen? Der Tanz war diesmal erfolgreich.

Und die Geschichten von Schwarzen Frauen, die zurückgekehrt sind, scheinen wahr zu sein. Denn zwei Frauen stürzen nach einer gefühlten Ewigkeit wieder aus dem Portal heraus: Laani und Karen Williams. Die eine fand ihren Halt in der Verbindung mit dem Portal, die andere mit unbändiger Lebenskraft in sich selbst.

Beide sind tief erschüttert.

Beide sind gezeichnet von dem, was sie erlebt haben.

Beide sind erfüllt von Erfahrungen, die sie ihr ihr ganzes Leben nicht mehr loslassen werden.

Doch Ariochia wird weitergeträumt.

(Ein Bericht von Martina K.)

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Nelli (17): Mein magischer Weg in die LARP-Szene

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Ich werde immer wieder gefragt, wie ich denn auf die Idee gekommen bin, an Liverollenspielen teilzunehmen. Ich bin sicher, jeder Liverollenspieler hat eine einzigartige Geschichte, wie er oder sie zu diesem einzigartigen Hobby gefunden hat.

In meinem Fall begann dieses Abenteuer bereits im Alter von elf Jahren – durch einen glücklichen Zufall. Damals hatte ich gerade die Harry Potter Bücher gelesen und träumte davon, meinen Hogwarts Brief zu bekommen – wie jedes elf-jähriges Kind, nehme ich an. Im Gegensatz zu den meisten anderen Potterheads wurde mir dieser Wunsch schließlich sogar erfüllt. Der Vater der besten Freundin meiner Schwester – Ralph Schimpl – hatte bereits vor meiner Geburt den Verein Ariochs Erben gegründet und nun beschlossen, auch ein Spiel für Kinder und Jugendliche zu organisieren. Das Setting dieses Spieles war eine Schule für Magiebegabte mit dem Namen „Rufus Reigenthum“, die Hogwarts nachempfunden und sich in der von J.K. Rowling erschaffenen Magiewelt befand, allerdings in Österreich angesiedelt war. Meine Schwester und ich, sowie ein weiterer Freund der Familie, wurden von unseren Eltern angemeldet, die selbst auch als NSCs am Spiel teilnahmen. Obwohl die Häusereinteilung vorrangig nach dem Alter erfolgte, wurden wir alle in das Haus eingeteilt, mit dem wir uns am meisten identifizierten (Unter uns: Ich halte es sogar für möglich, dass diese Einteilung auch unseren realen Charakter in eine entsprechende Richtung gelenkt hat). Die Spielleitung hatte für die verschiedenen Altersgruppen unterschiedliche Plots vorbereitet, sodass jeder, seinem Alter angemessen, möglichst viel Spaß haben konnte. Ich sammelte an diesem Wochenende so viele schöne Erinnerungen, dass ich bei der Rückkehr in mein normales Leben weinte, da ich zurück in die Welt der Fantasie wollte.

Etwas später entdeckte ich eine andere Art des Rollenspiels für mich: eine online Community, in der Rollenspiele in Chatrooms stattfanden. Hier lernte ich, völlig in die Rolle einer von mir geschaffenen Person zu schlüpfen und mit anderen auf interessante Art und Weise zu interagieren, sodass sich eine Geschichte ergab. Obwohl ich in diesen Chatrooms gute Freunde fand und viel Spaß hatte, war es doch kein Vergleich zu den Gefühlen, die das Liverollenspiel in mir ausgelöst hatte.

Es dürfte also keine Überraschung sein, dass ich wie ein Gummiball durch die Wohnung sprang, als ich erfuhr, dass eine Fortsetzung des Spieles, an dem ich im Alter von elf Jahren teilgenommen hatte, geplant war. Seit meinem ersten Spiel waren nun fünf Jahre vergangen also überarbeitete ich meinen Charakter. Wir bastelten neue Zauberstäbe und lernten voller Vorfreude Zaubersprüche, wie es sich für gute Zauberschüler eben gehört – und wir wurden nicht enttäuscht. Actionreiche Kämpfe, spannende Questen und ein magisches Ritual, welches es beinahe unmöglich machte, nicht tatsächlich an Magie zu glauben, verzauberten mich wie bei meinem ersten Spiel. Die Welt des Liverollenspiels hatte mich erneut in ihren Bann gezogen!

Im Zuge dieses Spieles erfuhr ich nun auch von der Existenz des Vereins Ariochs Erben, von dem ich aufgrund meines Alters bei meinem ersten Spiel nichts mitbekommen hatte. Nun aber war ich alt genug, um beizutreten und, bereits einige Wochen nach besagtem zweitem Spiel, tat ich dies auch. Ich besuchte die Stammtische und meldete mich für eine Steampunk Taverne, „Die rote Schwalbe“ an, welche ich im August 2018 zusammen mit Ralph, dessen Charakters Mündel ich spielte, besuchte. Dies war das erste Mal, dass ich an einem Spiel für Erwachsene teilnahm, doch ich fühlte mich vom ersten Moment an herzlichst aufgenommen – auch wenn ich die meisten anderen Spieler nicht kannte. Über jenen Abend will ich jetzt nicht zu viele Worte verlieren, doch es sei gesagt, dass ich selten so viel und so zwanglos Spaß hatte. Jemand anderer zu sein, erlaubte mir auf gewisse Art und Weise, mehr ich selbst zu sein.  Für jemanden, der noch nie ein Spiel wie dieses erlebt hat, wird es unbegreiflich sein, wie ich mich fühlte, doch ich war vollkommen in meiner Rolle, die sich von meiner realen Person in gewissen Bereichen enorm unterschied – und war im Nachhinein selbst überrascht von dem Selbstbewusstsein, das ich hier an den Tag legte. Ich schien jegliche Hemmschwellen und Ängste vergessen zu haben, da ich mich in der Gesellschaft meiner Mitspieler so wohl fühlte, als wären sie meine Familie – selbst, wenn ich sie gerade erst zum ersten Mal gesehen hatte.

Auf dieses Liverollenspiel folgte bald das nächste und so nahm ich im September an meiner ersten Taverne in der Welt von Ariochia teil. Genau genommen war mein Charakter hier ein NSC, da ich für die Spielleitung alle gesammelten Informationen schriftlich festhalten sollte, doch Claudia, die hier die Spielleitung übernahm, ließ mir viele Freiheiten bei der Gestaltung. Die Rolle, die ich verkörperte, war die einer Halbelfe aus dem Wald, die aus Neugier in die Welt aufgebrochen war. Ihr Name war Lyra.

Bald darauf fand eine weitere Steampunk Taverne, „die Edenbar“, statt. Diesmal schrieb ich die Hintergrundgeschichten sowohl für meinen Charakter als auch für den von Ralph, der erneut mein Begleiter war. Auch hier fühlte ich mich wieder sehr willkommen, selbst als mein Charakter schließlich des Mordes beschuldigt wurde (unschuldig – selbstverständlich).

Ungefähr zu dieser Zeit, fasste ich auch den Entschluss, mich dem Thema des Liverollenspiels in meiner vorwissenschaftlichen Arbeit, die ich im Zuge meiner Matura schreiben muss, zu widmen. Auslöser hierfür war die Erkenntnis, dass dieses Hobby mein Leben auch in der realen Welt positiv beeinflusst hat und ich aus den Spielen tatsächlich viel für den Alltag mitnehmen konnte.

Etwas später fand eine weitere Ariochia Taverne statt. Auch hier schlüpfte ich wieder in die Rolle Lyras, die mir selbst mittlerweile als Herz gewachsen war. Hier knüpfte ich Kontakte und führte Gespräche, die für das darauffolgende Spiel von Wichtigkeit sein würden – das große Jubiläumsspiel „Baran -das Erwachen“ im März, bei dem wir das 30-jährige Bestehen von Ariochs Erben feierten. Zwischen den beiden Spielen schaffte ich es nun endlich, meinen Charakter auch offiziell nach Codex III zu erstellen und bastelte weiter an meinem Kostüm. Als das lang ersehnte Wochenende kam, wurden meine Erwartungen erneut übertroffen. Durch die vorbereitete Anreisegeschichte Lyras, die in Begleitung eines Scheibenkreuzritters gereist war und auf der Reise eine Freundschaft zu ihm entwickelt hatte, war bereits vom ersten Moment an eine wunderbare Grundlage für interessantes Rollenspiel geboten, das bald durch die diversen Questen, Kämpfe und Rätsel, noch spannender wurde. Auch hier möchte ich mich nicht zu lange damit aufhalten, einzelne Geschehnisse zu erläutern, doch eins führte zum anderen und mein Charakter beschloss schließlich, sich für das weitere Bestehen der Welt Ariochias zu opfern. Ich wage zu behaupten, dass dieses Verhalten auch meine Mitspieler bewegte, denn sie alle boten mir Schutz und taten ihr Bestes, um mir zu helfen. Auch wenn es mir ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr möglich war, dies als mein Charakter zu zeigen, so war auch ich zu tiefst gerührt von der Wärme, die mir entgegengebracht wurde.

Da dies das letzte Spiel war, an dem ich teilnahm, muss mein Bericht hier enden, doch es ist gewiss, dass das Ende dieser Geschichte noch lange nicht absehbar ist. Einmal im Bann des Liverollenspiels kommt man nicht mehr heraus – doch wozu auch? Es ist und bleibt doch das magischste Hobby der Welt!

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„Baran – Das Erwachen“ oder Ariochs Erben wird dreißig

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Anfang März war es soweit. Ariochs Erben feierte außergewöhnlich sein 30-jähriges Bestehen. Am Freitag den 08.03.2019 trafen sich altgediente, ganz frische und wieder zurückgekehrte MitgliederInnen auf der Jungscharburg Wildegg um zuerst der Generalversammlung und dann einem bemerkenswerten Spiel beizuwohnen.

Seit der GV 2018 waren wirklich viele Personen an der Planung und Umsetzung beteiligt… und das merkte man auch. Viele Köche machen richtig viel Brei! Das Larp war so voll mit Spielgeschichte, Aufgaben und Rätseln, dass man locker noch 3 Tage länger hätte spielen können. Für jeden war etwas dabei. Eine gut ausgestattete IT-Bibliothek, codierte Texte, Kämpfe mit motivierten NSCs, Rituale, magisches und klerikales Wirken, Emotionen und Drama. Besonderen Dank natürlich der Dungeoncrew. Auch wenn ich selbst nicht in den Genuss kam, habe ich viele Erzählungen gehört. Selten passiert es mir auf einem Spiel, dass ich nicht weiß, wo ich zuerst hin soll. Rettet man seine Freunde vor einem Erzdämon, der sich netterweise spürbar angekündigt hat oder stopft man ein Leck geschlagenes Zeitartefakt, welches die Stabilität der Ebene bedroht?

Man muss dabei gewesen sein!

Ich danke allen beteiligten Organisatoren, Spielleitungen, Technikern, NSCs, Küchenteams, SpielerInnen und Helferleins, die dieses Spiel zu einem großen Erfolg gemacht haben. Danke für euren Einsatz und eure Zeit!

Die nächsten Events sind ja schon in greifbarer Nähe und um die Spannung etwas zu schüren, nehmt euch mal  02.-04.10.2020 nichts vor. Ich habe vernommen, dass es eventuell und möglicherweise ein Spiel geben könnte. 😉

So bleibt mir nur zu sagen, welche Ehre es (meistens) ist, für den Verein als Obmann einzustehen.

Alles Liebe und habt einen wundervollen Start in die Larpsaison!

Euer Jogi

 

Baran – Das Erwachen
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Ariochs Erben auf der Vienna ComicCon 2018

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Mitglieder von Ariochs Erben waren auch in diesem Jahr aktiv an der Vienna ComicCon (#VIECC18) beteiligt! Gemeinsam mit vielen anderen österreichischen LARP-Vereinen haben wir wieder ein imposantes Dorf auf das Messegelände gezaubert, in dem mehr als 1000 Besucher den Zauber unseres Hobbys erleben durften. Neu war in diesem Jahr, dass es fixe Start-Zeiten gab und das Spiel immer nach ca. 45 Minuten endete. Dadurch konnte ein größerer Durchsatz an Teilnehmern erzielt werden, da wir in den letzten Jahren immer wieder erleben mussten, dass einige Personen stundenlang im LARP-Dorf verbrachten, und damit anderen Interessierten die Möglichkeit an der Teilnahme erschwerten.

Unser Verein hat diesmal nicht nur mit vielen helfenden Händen in den unterschiedlichen Teams mitgearbeitet, sondern auch eine Taverne im Eingangsbereich bereit gestellt. Das war der Auffangplatz für Personen, die am nächsten „Run“ teilnehmen wollten – und danach konnten sie auch noch mit unseren professionellen LARPern interagieren.

Ein besonderes Highlight waren auch dieses Jahr wieder die LARP-Showkämpfe, die in geübter Manier gemeinsam mit den historischen Schwertfechtern von Klingenspiel durchgeführt wurden. Dass es zwischen den beiden Gruppierungen eine große Überlappung an Teilnehmern gibt, ist kein Geheimnis. Trotzdem war es faszinierend zu sehen, wie die Kämpfe bestritten wurden und wie die Dynamik auf das Publikum übergegangen ist. Das Motto in diesem Jahr war „Mortal Combat“. Ein Foto davon wollen wir Euch natürlich nicht vorenthalten.

Ein besonderer Dank gilt den Hauptverantwortlichen für diesen Event: Sabine Simmet für den Kontakt zur Messe, Nicole Goci sowie Lena Burjak & Simon Peters für die Koordination der Stationen im LARP-Dorf, sowie den vielen Team-Leitern der unterschiedlichen Stationen!

Wir dürfen, so denke ich, auf einen gelungenen Event zurückblicken. Soviel Flyer und Informationsmaterial wie in diesem Jahr haben wir noch nie verteilt! Ob es das LARP-Dorf in dieser Form im nächsten Jahr (#VIECC19: 23. – 24. 11. 2019) geben wird, ist noch nicht gesichert, aber wir informieren Euch über die neuesten Entwicklungen dazu.

(Fotos von Stefan Marchhart und Andreas Lorenz)

Ariochs Erben

Baran – das Erwachen (Tundara 3)

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Das Echo der klackenden Stiefelabsätze floh durch die weiten Kammern der Universität, als würde es vor seinem Verursacher davoneilen. Schwer atmend bahnte sich ein schwerfälliger, nicht für derartig sportliche Eskapaden gebauter Wachmann seinen Weg durch die heilige Stille der Bibliothek, um dem verstörenden nächtlichen Lärm noch eins draufzusetzen, als er an einer Tür zu halten kam.

„Herr Dekan!! Herr Dekan!!!“ Wild klopfend und polternd trommelte er so fest auf dasalte Holz, dass dieses unter der Belastung zu knirschen begann. Augenblicke später wurde die Tür aufgerissen, und das zerfurchte Antlitz eines völlig zerzausten alten Mannes starrte aus dem Dunkel des Zimmers auf den Wachmann.„…bei des Kaisers sprichwörtlichem Langmut, seid ihr von Sinnen, Custos Carellian? Ihr habt mich zu Tode erschreckt – nur um mich von den Toten wieder hochzuschreckenmit eurem niederhöllischen Getrommel!“

Der Custos fiel dem alten Mann schnaufend ins Wort: „Verzeihung, es ist nur … so furchtbar!!! Kommt, schnell!!!“

*** Das Bildnis der Matrone zu Greifenfels. Die Ikone der Heiligen Justitia von Nordegaard. Die Skizzen zum Antlitz der Rebecca von Goldland ***

Im ersterbenden Lichtschein einer vor Eile fast ausgehenden Laterne kam das ungleiche Paar in der Galerie der Universität an.
„Platz, macht Platz, der ehrenwerte Dekan…“ Mehrere der wartenden Gestalten – die meisten in ihren Nachtgewändern, aber einige offensichtlich trotz der späten Nachtstunde noch unterwegs gewesen – stoben auseinander wie ein Schwarm aufgescheuchter Krähen. Langsam trat der alte Mann näher, die Augenschreckgeweitet von einem Bild zum nächsten huschend. „Bei den Mächten… Was? Wer? Wie? …“ Er fuhr herum.

„Plus Lucis*! Ich brauche mehr Lampen hier!“ Minutenlang studierte er die Gemälde,ging von einem Bild zum nächsten. „Custos, überprüfe er, ob in den anderen Häusern und Pavillons ähnliches geschehen ist!“
Der Genannte nahm sich die Zeit für einen kurzen Salut und stürmte von dannen.

(*Mehr Licht!)

*** Das Gemälde der Lisa Mona. Die Büste der Rectora Prima der Academia Arcana. Die großen Familientafeln der Häuser der Erinnerung ***

Zurück in der Ruhe seines Büros warf er Zeile um Zeile auf ein Pergament, während durch die Vorhänge die ersten Strahlen des Morgens in den düsteren Raum krochen. Während er schrieb, wandte er sich dem still neben dem Tisch wartenden jungen Mannzu: „… und fragt auf jeden Fall herum, welche Professoren mit Reise-Erfahrung und einem Ruf der Abenteuerlust derzeit in der Stadt weilen – ich muss ehestmöglich wissen, ob das Phänomen nur in unserer Provinz auftrat, oder …“ Er zögerte einen Moment, blickte auf ein kleines Standbild auf seinem Tisch … und legte es vorsichtigaufs Gesicht. Dann nahm er sich sichtbar zusammen und beendete den Satz mit rauerStimme: „…oder ob ich dem Kaiser Bericht erstatten muss, dass es sich wenig umGrenzen schert.“

*** Das Grafitti unter dem Fenster der Herrin des Hauses der Mystischen Liebeskunst. Die Holzdrucke der Hochzeitseinladung der Magistra Andara. Das illustrierte Quartett-Kartenspiel der Häuser des Hekate-Ordens ***

Tage später …

„…und wenn ich‘s dir sage! Es sind nicht nur Bilder und so, nein…“ Ein tiefer Schluckaus dem Krug unterbricht die Rede des Tavernengastes nur kurz, bevor er sich verschwörerisch seinem Trinkkumpanen zuneigt. „…es geschieht auch so – meine Schwester, die ist auf der Akademie, verstehst du, und sie sagt, sie hat das schon zweiMal bei … lebenden Frauen beobachtet. Am helllichten Tag!!“

Ein weiterer Schluck. „Wie ein totaler Schatten … traut sich selbst gar nicht in den Spiegel schauen, vor Angst, dass ihr dann auch nur ein schwarzes Gesichtentgegenstarrt, die Arme …“

Einsam steht der Wegweiser auf der nebelverhangenen Kreuzung, wie ein dürrer scharfkantiger Galgen dräut er über dem alten Anschlagbrett, welches an seinem Fuße angebracht ist. Ein leichter Wind rüffelt durch die Anzeigen und Angebote, die Verkündungen und Pamphlete.

In der Mitte prangt ein großer Papierbogen, von dem einen Leser das Wort GESUCHT regelrecht anspringt. Der Kleintext ist verwaschen, „Bedrohung“ und „Störung“, und weiter unten etwas wie „begabt“, steht da zu lesen…

Und ein Bild ist darauf – von einer Frau, den Gewändern und Umrissen nach. Doch wo das Gesicht sein sollte, ist nur verwaschene Druckerschwärze. HABEN SIE DIESE FRAU GESEHEN?

Weitere Infos zu dem Event findet Ihr HIER (bitte dem Link folgen).