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Barans Erwachen – Spielerbericht vom Reini

Mit einer gewissen Spannung & Erwartung bei all diesen enormen Vorbereitungen bin ich auf dieses Spiel gefahren & in gewisser Weise hat es meine rein persönlichen Erwartungen voll erfüllt.

Es hatte so gut wie alles, was man von 30 Jahren Liverollenspiel (im Fantasy-Bereich) erwarten konnte:

  • Wohldosierte Angriffe unterschiedlicher, aufwändig maskierter & kostümierter Monster, die trotz NSC-Mangels mit aufopfernder Hingabe auch eine Bedrohung durch eine deutlich größere Feindesschar darzustellen vermochten. Kaum auszumalen, wenn man sich bei diesem Spielkonzept die doppelte Anzahl NSCs hätte leisten können … was bei unserer Mitgliederzahl & den Kapazitäten der Burg Wildegg ohnehin unrealistisch gewesen wäre.
  • Der Verzicht auf stereotype, unendlich anbrandende Monsterwellen, dafür viel Platz für Charakterspiel & manch kreative anstatt stupide Hau-Drauf-Lösungen, machte Ruck-Zuck-Heilungen zwischen den Kampfrunden gottlob unnötig. Jede(r) konnte seine generierten Fähig- & Fertigkeiten nach eigenen Maßgaben & Möglichkeiten ausspielen & darstellen.
  • Ein wohlvorbereitetes, äußerst mächtiges Ritual mit engagiertem Ritualleiter & den unterschiedlichsten Komponenten, die alle sinnvoll erklärbar & ein optisch-akustischer Augen-/Ohrenschmaus waren – trotzdem ging es beinahe schief. Vorbei sind die Zeiten, als 3 Teelichter, 5 bedeutungsschwangere Gesten & ein paar dahingemurmelte Worte jeglichen Effekt zeitigen konnten.
  • Zusätzlich ein kleines Turnier für rein kampflastige Charaktere, allerdings auch viel zu tun für Magier & Kleriker, damit alle gemeinsam den Plot lösen können. Wer all diese Angebote partout nicht annehmen wollte, hatte auch die Gelegenheit, einfach nur in Rolle zuzusehen.
  • Auch für Rätselfreunde war gesorgt: Obwohl ich mich zu den versierteren Ratefüchsen zählen würde, war ich dabei wohl ge- bis sanft überfordert. Woher nehmen die nur all die neuen Rätsel, ohne kaum welche jemals doppelt zu verwenden?
  • Ein technisch aufwändiger Dungeon für flinke & geschickte, v.a. praktisch veranlagte Charaktere, der zusätzlich einiges an Spannung erzeugen konnte. – Schade, dass hier meist nur wenige durchsetzungsfreudige Plot-HunterInnen die Gelegenheit bekommen, dieses Highlight „in action“ besuchen zu dürfen.
  • Ein greifbarer SL-NSC, mit dem persönliche Interaktion nicht nur möglich, sondern auch absolut sinnvoll war – wenn man sich diese „Mühe“ angetan hat. Endlich einmal nicht der unnahbare, arrogante Halbgott, der den gesamten Plot eigentlich selbst lösen könnte. Eine insgesamt sympathische Darstellung großer Macht ohne Allüren!
  • Der Hauptplot war strukturiert & eines vorgegeben (leider) sehr kurzen LARPs absolut würdig, ohne dabei „auf Schienen“ zu verlaufen. Eigentlich konnte sich jede(r) ständig an verschiedenen Orten einbringen, wenn er/sie dies wollte. Das „Happy End“ ist glücklicherweise eingetreten, auch wenn die SpielerInnen mehrfach Gefahr liefen, sich ohne die klassischen Einbahn-Storys zu „verrennen“.
  • Ein Weltrettungsszenario – eigentlich sehr mutig, wenn man bedenkt, welche Konsequenzen ein Scheitern für die erst kürzlich restaurierte Welt des Vereins gehabt haben könnte. Ein anderer Ausgang hätte viel Arbeit zunichte gemacht.
  • Charaktere, die in mehreren aufwändigen (Tavernen-)Ausspielungen jeweils einen sehr guten, durchaus triftigen Grund bekommen haben, zum Spielort anzureisen. Wer trotzdem nicht wusste, auf welchem Weg er/sie angereist ist bzw. warum er/sie eigentlich genau jetzt genau hier war, hat davor wohl einiges versäumt …
  • Schminke & Ausstattung zeigten v.a. unseren jüngeren TeilnehmerInnen sowohl die Vielfalt unseres Fundus als auch die künstlerischen Begabungen unserer Mitglieder.
  • Trotz bester Planung können SL-Hoppalas passieren, die jedoch stets mit einem charmanten Lächeln improvisiert & doch professionell überspielt wurden. Ich bin mir sehr sicher, dass jede(r), der sich schon mal selbst als SL u./od. Orga an einem Live versucht hat, dafür Verständnis aufbringen kann; es sei denn, man sucht krampfhaft nach einem Haar in der Suppe …
  • Eine SL, die mit Fingerspitzengefühl situationselastisch auf das Unvermögen mancher SpielerInnen u./od. auch einige vll. falsch eingeschätzte Aufgaben mit sanfter Unterstützung reagierte, damit kein Frust bei den SCs aufkommt. Dass dafür auch schon mal einer der „100-Con-Tage-SC“s mit einem Ortungszauber herhalten muss, ist immer noch besser als ein komplett geskripteter „Deus Ex Machina“, damit nicht gleich alles zum Erliegen kommt.
  • Es war faszinierend, wie altgediente >100-Livetage-SCs & wahrhaft phantastische Halb-Wer-Dämonen-Was-auch-immer-Wesen gemeinsam mit völligen Neulingen & profanen, bodenständigen Anfängercharakteren interagieren konnten, wobei beide Seiten viel Spaß daran haben konnten … wenn sie wollten …
  • Unser neues Regelwerk „Codex III“ stand erstmals mit größerem Publikum auf dem Prüfstand & hat sich weitestgehend recht gut bewährt. Ich kenne dzt. kein Besseres!
  • An Technik wurde nicht gespart, um ein beeindruckendes Gesamterlebnis umzusetzen. Manches grenzte dabei ohnehin schon fast an „echte“ Magie.
  • Wie so oft entstanden Stillstände einzig durch schier endlose Diskussionen unter den SpielerInnen, wenn es an durchsetzungs- & tatkräftigen Charakteren mit verwertbaren Ideen fehlte. Ein sanfter Schubs seitens SL bzw. NSCs mag hier leider auch viel zu selten zu rascheren Ergebnissen führen – dies ist wohl ein allgemeines Phänomen, das einem Spiel per se nur schwer anzulasten ist.
  • Der sog. „Endgegner“ war selbstverständlich schon alleine durch seine schiere alte Macht nicht durch einen bunt zusammengewürfelten, unkoordinierten Haufen an halblustigen „HeldInnen“ zur Strecke zur bringen – das musste uns wohl allen (?) klar geworden sein. Aber der „Endkampf“, zu dem unser aller Wirken erst geführt hat, gehörte zu den besten Choreografien, die ich von LARPern je gesehen habe.
  • Ein sehr engagiertes Küchenteam, das in Minimalbesetzung einen Maximalgenuss „zauberte“. Wow & danke dafür!!! Das soll Euch einmal einer 😉 nachmachen!
  • Krankheitsbedingte Last-Minute-Ausfälle bei NSCs & SL kommen leider häufiger vor als man glauben mag, wurden bei diesem Spiel aber vorbildhaft kompensiert. Man hätte sich vll. eher gewünscht, dass stattdessen lieber ein Spieler ausgefallen wäre, der offenbar ohnehin keinen Spaß an dem Spiel hatte …
  • Bei der obligatorischen SL-Ansprache, die speziell durch die große Zahl an Arioch-Neulingen nötig war, wurde auf nichts Wichtiges vergessen – ein Laptop od. ähnl. sollte vll. öfter dabei helfen, gleich am Anfang alles strukturiert zu (er)klären.
  • Das offene Ende macht jedenfalls Lust auf die vage angekündigten Fortsetzungen! Ich fand’s ein wunderschönes & mehr als bloß geglücktes Revival des ursprüngl. Arioch-Spirits! Merci beaucoup!
  • Bin mir allerdings auch sicher, dass manch längergedienter Liver, der schon seeehr viele Fantasy-LARPs selbst verunstaltet hat, mit einigem guten (???) Willen auch ein paar vereinzelte Kritikpunkte finden könnte, die er selbstverständlich bereits alle mit Weisheit, Weitblick, Herzensgüte & überhaupt viiiel besser & eleganter gelöst hat. Tja, nobody but one is perfect …

Fazit:

  • Ein notorischer Nörgler & misanthropischer Pessimist unter >100 Vereinsmitgliedern & insgesamt ca. 70 Live-TeilnehmerInnen ist doch eh eine solide Quote, oder?!? Darauf darf man ruhig stolz sein!
  • Si tacuisses, philosophus mansisses. (Gilt allerdings auch für den Autor dieser Zeilen. *g*)

Alle TeilnehmerInnen sollten wohl am besten selbst entscheiden, was ihr Fazit ist von „Baran – 30 Jahre Ariochs Erben“, dazu braucht’s meines also gar nicht. Na no na net …

Servus Euer die Vielfalt liebender Ex-Kassier Reini
(bekennender realistischer Optimist & offen-kritisch liberaler Philanthrop)

„Man kann sich ärgern, muss man aber nicht …“

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