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Baran – oder 30 Jahre Ariochs Erben

Spielerbericht von Lukas M.:

 

Mit einer gewissen Spannung und Erwartung bei all diesen enormen Vorbereitungen bin ich auf dieses Spiel gefahren und in gewisser Weise hat es meine rein persönlichen! Erwartungen voll erfüllt.

Es hatte so gut wie alles was man von 30 Jahren Liverollenspiel (im Fantasy-Bereich) erwarten konnte:

  • Den klassischen wellenartigen Angriff von stereotypisch, maskierten, generischen NSC-Schnetzelmonstern, die aus NSC-Mangel, oder weil es einfach zu Spieler/innen sind, immer wieder aufstehen und 5 Meter weiter hinten neu anrennen und immer bis zum Tod kämpfen.
  • Superschnelle magische Heilung und auf zur nächsten Kampfrunde.
  • Das unabwendbare Ritual, weil es eben dazugehört, mit buntem Sand und Kreide, Trommeln, zählen wie viele Magiepunkte einfließen mit engagiertem Ritualleiter und quasi offenem Ausgang.
  • Ein-Miniturnier damit die kampflastigen Charaktere nicht nur den Magiern und Klerikern beim Plot lösen zusehen.
  • Rätsel müssen auch sein – sonst würde was fehlen – gut recycelt und ein paar neue für die Ambiente-Spieler/innen, damit zwischendurch nicht zu viele Lücken entstehen.
  • Ein technisch aufwendiger Dungeon für schlanke, geschickte Charaktere, und um etwas Spannung zu erzeugen.
  • Der unbesiegbare, quasigöttliche SL-NSC, der notfalls alles wieder ins Lot bringt.
  • Der Hauptplot nach Lehrbuch: Löse Aufgabe 1, dann Aufgabe 2, Achtung jetzt wird es innovativ – Aufgaben 3 und 4 kann man gleichzeitig lösen – das Ende des Plots ist vorgegeben und wird durchgezogen, selbst wenn die Spielerinnen sich „verrennen“.
  • Ein Weltrettungsszenario – na was sonst?
  • Charaktere die einfach am Spielort „hinploppen“ (durch die Nebel oder was auch immer) weil sie sonst niemals dort hinkommen würden; andere sind dort weil sie sich krampfhaft einen Grund aus den Fingern gesogen haben, weil die Charaktere keinen Grund haben vor Ort zu sein.
  • Ein tiefer Griff in den Schminkkübel ist natürlich auch verpflichtend.
  • Das zum Lachen oder zumindest Lächeln anregende, nicht geplante SL-Hoppala: „Oups, äh, liebe Spieler/innen – nehmt mal dieses Fell für die Mitte des Rituals – äh, tja der NSC ist schon für die Szene nach dem Ritual geschminkt und kann daher nicht teilnehmen, obwohl das Ritual wegen ihm gemacht wird…“
  • Das leichten Frust auslösende „Deus ex Machina“ – Prinzip der SL, wenn was nicht wie geplant läuft: „Tja, die Rätsel waren zu schwer, oder zu viele, zu viele Ablenkungen. Ihr habt erst 1/3 der Artefaktteile, die restlichen 7 oder 8 besorgt euch einer der „100 Con-Tage-SC“ mit einem Ortungszauber – macht eh nichts, dass ihr euch stundenlang für die ersten Teile abgemüht habt, oder? – das Spiel muss ja weiter gehen…“
  • Die Wunderwuzzis und hunderte Con-Tage Spieler, Halbelementare und Superhexer, die sich ehrlich bemühen nicht alles selber zu lösen um nicht als Pappnasen dazustehen (was sie auch geschafft haben) waren ebenso vertreten wie völlige Neulinge mit Anfängercharakteren.
  • „Feuerball 4 – auf den NSC zeigen und dessen Namen sagen ohne Zauberkomponente“ – oh mein Gott wie habe ich das in den letzten Jahren NICHT vermisst.
  • Ein Spiel ohne blinkende Lichter und Nebelmaschine geht ja gar nicht – also immer her damit.
  • Endlose Besprechungen unter den Spieler/innen die zu kaum etwas führen weil sie auf Spekulationen und nicht auf Fakten beruhen.
  • Der pünktlich angekündigte Dämon bei dem plötzlich alle magischen und geweihten Waffen einfach durch SL-Ansage nicht mehr funktionieren, damit der vorherbestimmte SNSC ihn töten kann, egal ob sich die Spieler/innen daneben unnötig vorkommen.
  • Ein sehr engagiertes aber überfordertes Küchenteam.
  • Krankheitsbedingte Last-Minute Ausfälle bei NSCs und SL.
  • Die obligatorische SL-Ansprache, diesmal sogar vom Laptop abgelesen.
  • Nur der „Endkampf“ hat nicht stattgefunden – aber soll ja noch Fortsetzungen folgen…

Fazit:

  • Eine sehr gelungene, selbstironische Parodie auf 30 Jahre Fantasy-Lives bei Ariochs Erben.
  • Ein Spiel wie ein Brei aus allen Zutaten die man eben so braucht mit vielen Köchen.
  • Ein Live das jedes Klischee bedient hat, um eine eierlegende Wollmilchsau zu produzieren.
  • Weniger wäre doch mehr gewesen.
  • Die ideale Mischung mit allen wichtigen Genre-Elementen.
  • Einfach alles „verwurschten“ und ein Spiel draus machen, echt jetzt?
  • Oder ein wenig aus allen obigen Punkten?

 

Alle Teilnehmer/innen sollten wohl am besten selbst entscheiden, was ihr Fazit ist von „Baran – 30 Jahre Ariochs Erben“.

Servus Lukas

 

Ein Gedanke zu „Baran – oder 30 Jahre Ariochs Erben

  1. Als Vorstandsmitglied steht es mir nicht zu diesen Artikel vollumfänglich zu kommentieren, deshalb lasse ich das auch.
    Als „die Küche“ von dem Spiel möchte ich mich jedoch nachdrücklich gegen den Vorwurf „Engagiert, aber überfordert“ verwehren.
    Engagiert bin ich immer, das muss so sein, sonst täte ich mir diese Arbeit, die ich unentgeltlich leiste (und für die ich in der Regel mind. 1 Urlaubstag investiere) schon lange nicht mehr an.
    Ich will auch gar nicht leugnen, dass es eine Herausforderung war kurzfristig mit einer LARP-Küchen-Jungfrau dazustehen. Aber Muriel hat ihre Sache wirklich echt gut gemacht. Dank einiger helfender Hände bei den Geschirrbergen hatten wir in der Küche neben dem Kochen von jeder Menge Essen, zur rechten Zeit und in mehrfach bestätigter bester Qualität (unter Berücksichtigung div. Allergien) auch noch Zeit für das Backen von div. Kuchen und einer Geburtstagstorte. Wir hatten keinen Stress, sogar ein, zwei kleinere Pausen, und ich kann mich nicht erinnern irgendwen angeschnauzt zu haben. Kurz: Gefordert ja, überfordert nein.
    Es gab schon mal eine Live-Küche bei der ich mich übernommen hatte, deshalb kann ich hier auch mit Sicherheit sagen, dass dies bei Baran nicht der Fall war. Ich bin nämlich lernfähig.

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